Wikileaks und Trump jr. : "Dein Vater sollte twittern"

Wikileaks wandte sich mehrfach an Donald Trump jr.: Sein Vater solle die von russischen Hackern erbeuteten Dokumente gegen Hillary Clinton im Wahlkampf nutzen.

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Donald Trump jr. (Archivbild).
Donald Trump jr. (Archivbild).Foto: imago/ZUMA Press

Ist Wikileaks ein politisch neutraler Nachrichtendienst, der sich ohne Ansehen von Person und Partei der Wahrheit verpflichtet fühlt? Oder kooperiert die Enthüllungsplattform mit Geheimdiensten und Wahlkampagnen, um Politik zu beeinflussen, und scheut die Transparenz, die sie von anderen fordert?

Bei der Untersuchung der Russlandkontakte des Wahlkampfteams von Donald Trump ist Twitter-Korrespondenz zwischen Wikileaks und Donald Trump jr., dem ältesten Sohn des Präsidenten, aufgetaucht. Sie nährt den Verdacht von Absprachen. Von Juli 2016 an hatte Wikileaks vertrauliche E-Mails der Demokraten veröffentlicht, die nach Analyse der US-Geheimdienste russische Hacker erbeutet hatten. In den Folgewochen geriet die Präsidentschaftskandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, in Bedrängnis. Wikileaks wandte sich mehrfach an Donald Trump jr.: Sein Vater solle die Dokumente im Wahlkampf nutzen.

Besonderer Verdacht

Besonderen Verdacht erregt die Korrespondenz Anfang Oktober. Donald jr. fragt Wikileaks: Was steckt hinter der neuen Leak-Geschichte vom Mittwoch? Einige Tage später antwortet Wikileaks: „Klasse, dass du und dein Vater über unsere Veröffentlichungen reden. Dein Vater sollte auch den folgenden Link über Twitter verbreiten.“ Der Link führte zu vertraulichen E-Mails von John Podesta, Clintons Wahlkampfmanager. 15 Minuten später tweetete Vater Donald Trump: „Die verlogenen Medien unterdrücken die unglaublichen Nachrichten von Wikileaks. Was für ein Betrug!“ Den empfohlenen Link versandte sein Sohn zwei Tage später. Wikileaks schlug auch vor, Trump solle seine Steuererklärungen als Leak über Wikileaks öffentlich machen. Dann sehe es nicht so aus, als arbeite die Plattform nur gegen Clinton. Trump jr. hatte bisher behauptet, sein Vater habe von seinen Aktionen in der Russlandaffäre nichts gewusst. Die aufgetauchte Korrespondenz belegt, dass er seinen Schwager Jared Kushner und Berater seines Vaters auf die Aufforderung von Wikileaks zur Zusammenarbeit hinwies.

Der Präsident wird erneut bloßgestellt. Am Wochenende hatte Trump berichtet, Wladimir Putin habe im Gespräch mit ihm glaubwürdig beteuert, dass er sich nicht in den US-Wahlkampf eingemischt habe. Nun behauptet Putins Sprecher, der US-Wahlkampf sei kein Thema bei dem Treffen gewesen. So rätseln die US-Medien: Lügt Trump? Oder lügt Putin, nachdem Trump ihn eben noch für glaubwürdig befunden hatte? Peinlich ist es so oder so.

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