Politik : Wildhüter vorm Wahllokal

Kenias Polizei braucht wegen Gewalt Verstärkung / 15 Menschen sterben bei Anschlag in Mombasa.

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Geduld. Überall in Kenia mussten die Wähler stundenlang warten. Das Foto zeigt eine Schlange im vornehmen Stadtteil Langata in Nairobi. Foto: Phil Moore/AFP
Geduld. Überall in Kenia mussten die Wähler stundenlang warten. Das Foto zeigt eine Schlange im vornehmen Stadtteil Langata in...Foto: AFP

Berlin - An Schlafen war in der Nacht zum Montag in Kisumu, der drittgrößten Stadt Kenias, kaum zu denken. Denn schon um zwei Uhr nachts begannen Jugendliche auf Motorrädern durch die Großstadt im Westen des Landes am Viktoriasee zu knattern, um die Wähler zu wecken. Mit Trillerpfeifen und Vuvuzelas mobilisierten sie die Anhänger eines der beiden aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten, Raila Odinga. Kisumu ist Odingas Heimatstadt. In der Region leben überwiegend Luos, dieser Ethnie gehört auch Odinga an. Schon um drei Uhr morgens saßen oder lagen hunderte Wähler vor den Wahllokalen.

Überall in Kenia bildeten sich zum Teil kilometerlange Schlangen bei der Stimmabgabe. 14,3 Millionen Kenianer hatten sich in die Wählerlisten eintragen lassen, das sind rund 69 Prozent der Wahlberechtigten in dem ostafrikanischen Land mit rund 43 Millionen Einwohnern. Wegen der Unruhen nach der Wahl Ende 2007, bei denen rund 1300 Menschen starben und 600 000 Menschen vertrieben worden waren, sind 99 000 Polizisten zur Bewachung der Wahllokale aufgeboten worden. So viele Polizisten hat Kenia gar nicht, weshalb auch Gefängniswärter und Ranger des Kenya Wildlife Service vor den Wahllokalen standen. Rund 23 000 einheimische und 2600 internationale Wahlbeobachter waren im Land unterwegs.

Es gab zwei Anschläge am frühen Morgen, sonst blieb es bis zum Ende der Stimmabgabe fast überall friedlich, obwohl die Leute zum Teil stundenlang in der prallen Sonne stehen mussten, bis sie ihre insgesamt sechs Stimmen abgeben konnten. Neben dem Präsidenten wurden auch das Parlament, die Gouverneure der neu geschaffenen 47 Regionen, deren Parlamente und die Gemeinderäte gewählt. In Mombasa griffen am frühen Morgen rund 200 bewaffnete Jugendliche eine Polizeistation an. Dabei starben nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters neun Polizisten und sechs Angreifer. Kenias Polizeichef, David Kimaiyo, wird vom Radiosender Capital FM mit der Einschätzung zitiert, der Republikanische Rat von Mombasa (MRC) stehe hinter diesem Angriff. Der MRC ist eine Separatistengruppe, die verlangt, die Touristenregion rund um die zweitgrößte Stadt Kenias am Indischen Ozean von Kenia abzutrennen. Er ließ am Nachmittag mitteilen, er habe mit der Attacke nichts zu tun. Einen weiteren Anschlag gab es nahe der somalischen Grenze. Dabei wurde aber niemand verletzt. In einem Wahllokal südlich von Nairobi, in Kitengela, wurden 20 Leute bei einem Gedränge verletzt.

Im Vorfeld der Wahlen war es in mehreren Landesteilen zu Konflikten gekommen, bei denen insgesamt 800 Menschen starben. Vor allem im Nordosten ist es zu blutigen ethnischen Auseinandersetzungen gekommen, die vor allem mit den Nominierungen für die lokalen Spitzenposten zusammenhängen.

Am Montag gab es in vielen Landesteilen keinen Strom oder die elektronischen Wählerregister und Wahlmaschinen funktionierten aus anderen Gründen nicht. Deshalb griffen die Wahlhelfer auf die Papierlisten zurück. Hunderte Wähler konnten nicht wählen, weil sie trotz Registrierung nicht in den Listen standen. Die Wahllokale hätten um 15 Uhr schließen sollen, wurden wegen der technischen Probleme aber oft länger offen gehalten.

Neben Raila Odinga ist Uhuru Kenyatta der aussichtsreichste Kandidat für das Präsidentenamt. Gemeinsam mit seinem potenziellen Vize William Ruto steht er ab August vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (IStGH), weil die beiden Männer mit für die Metzeleien nach der Wahl 2007 verantwortlich gemacht werden. Würde Kenyatta gewählt und nicht vor dem Gericht erscheinen, hätten die westlichen Geberländer alle ein Problem. Zwar beteuern Kenyatta und Ruto, sie wollten mit dem Gerichtshof kooperieren. Doch ihr Wahlkampf war vor allem eine Kampagne gegen den IStGH, den sie für eine internationale Verschwörung halten.

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