Politik : Willkommen in Afghanistan

Claudia von Salzen

Hamid Karsai kam nicht als Bittsteller, sondern mit einer Einladung. "Kommen Sie nach Afghanistan! Sie sind willkommen." Der Chef der afghanischen Interimsregierung rief in Berlin Exil-Afghanen dazu auf, beim Wiederaufbau ihrer vom Krieg zerstörten Heimat zu helfen. In Afghanistan gibt es nach mehr als zwei Jahrzehnten Krieg nahezu keine Elite mehr; dem Land fehlen Ärzte, Lehrer, Ingenieure und Architekten. Afghanistan brauche dringend Spezialisten, die beim Wiederaufbau mithelfen können, betonte Karsai. Denjenigen, die bereits einen deutschen Pass haben, versprach er zusätzlich die afghanische Staatsbürgerschaft. "Sie können mit einem Bein in Afghanistan und einem Bein in Berlin stehen."

Arbeit für die Heimkehrer gibt es nach den Worten Karsais auch in Regierung und Verwaltung. Selbst einige seiner Minister seien Rückkehrer aus dem Ausland. "Und der Gouverneur von Gardes kam aus Kalifornien." Doch viele Afghanen zögern noch mit einer Rückkehr - nicht nur, weil sie inzwischen in Deutschland eine zweite Heimat gefunden haben. "Unsere Sorge ist derzeit noch die Sicherheit. Sonst wären schon mehr von uns zurückgekehrt", sagte ein afghanischer Arzt. Die Kriegsherren sind noch nicht entwaffnet, die Polizei soll gerade erst aufgebaut werden, nur in Kabul patrouillieren die Soldaten der Internationalen Schutztruppe. Doch Karsai bemühte sich, diese Bedenken zu zerstreuen. "Wir haben Autos und Straßen, und bei uns gibt es Sicherheit", sagte er. "Wir werden dafür sorgen, dass es da keine Probleme gibt."

Von seinen Landsleuten wurde Karsai empfangen wie ein lange erwarteter Freund. Er schilderte ihnen seine Vision von einem besseren, friedlicheren Afghanistan und versprach, das in Stämme zersplitterte Volk zu einigen. Und nach vielen Jahren im Exil hörten sie zum ersten Mal von einem Regierungschef, dass sie in ihrer Heimat gebraucht werden.

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