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Windhuk : Festnahme nach falschem Bombenalarm in Namibia

Die Nachricht über den Fund einer Bombenattrappe auf dem Weg nach Deutschland ist um eine kuriose Wendung reicher. Nach dem falschen Bombenalarm in Namibia ist der Leiter der dortigen Flughafensicherheitspolizei festgenommen worden.

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Dem Mann werde vorgeworfen, das verdächtige Gepäckstück auf dem Flughafen der namibischen Hauptstadt Windhuk auf ein Band zur Gepäckbeförderung gelegt zu haben, teilte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin am Samstag nach Ermittlungen der dortigen Polizei mit. Der Verdächtige sei am Freitagabend festgenommen worden und soll gestanden haben. Über die Motive gebe es noch keine Erkenntnisse.
Das Gepäckstück, das am Mittwoch auf dem Flughafen der namibischen Hauptstadt Windhuk entdeckt wurde, war ein Koffer zum Test von Sicherheitsanlagen. Die nach Windhuk gereisten Experten des Bundeskriminalamts hätten von einem „Realtestkoffer“ einer US-Firma für Alarmsysteme berichtet, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Er habe keinen Sprengstoff enthalten. Darin befanden sich Batterien, die mit einem Zünder verkabelt waren, und eine Uhr. Das namibische Sicherheitspersonal hatte den Koffer entdeckt und die deutschen Behörden informiert.

Nach Informationen des ZDF wurde die Attrappe von einer 80-jährigen Amerikanerin zusammengebaut. Das sagte der Inhaber einer kleinen Sicherheitsfirma den US-Ermittlungsbehörden. Nach Angaben von Larry Copello sei der Sprengsatz-Dummy vor vier bis fünf Jahren von seiner Großmutter verdrahtet worden. Das Familienunternehmen aus Kalifornien biete Produkte an, mit denen die Aufmerksamkeit von Sicherheitspersonal an Flughäfen und öffentlichen Einrichtungen getestet werde.

Copello hat dem Bericht zufolge seine Aussage bereits am Mittwoch gemacht; der Koffer habe ein Etikett mit seinem Namen und seiner Telefonnummer getragen. Offen sei, warum deutsche Stellen am Donnerstag von den US-Behörden offenbar noch nicht informiert waren, dass es sich um eine Attrappe handelte.

Vor dem Hintergrund der Terrorwarnung des Bundesinnenministers vom Mittwoch, die offenbar die Aufregung über den Koffer noch gesteigert hat, warnte de Maizière vor der „Verbreitung von Spekulationen“. Dies würde die Lage noch „psychologisch verschärfen“. Am Freitag lösten herrenlose Gepäckstücke an mehreren Orten in Deutschland Aufregung aus. Der Hauptbahnhof Hannover wurde teilweise gesperrt, in Düsseldorf mussten ICE-Reisende in der Nacht zum Freitag eine Zwangspause einlegen. Der Flughafen Frankfurt am Main sagte aus Sicherheitsgründen eine für den 1. Advent geplante Kunstveranstaltung mit tausenden Besuchern ab, am Rostocker Flughafen löste ein Laptop Sprengstoffalarm aus.

Die Innenminister betonten übereinstimmend, sowohl für die Bekämpfung des Terrors wie auch schwerer Kriminalität überhaupt sei eine gesetzliche Regelung zur Vorratsdatenspeicherung notwendig. Es wäre „für alle Sicherheitsbehörden ein Albtraum“, sollte ein Terrorist in Deutschland einen Anschlag begangen oder versucht haben und man könne nicht feststellen, mit wem er zuvor telefoniert habe, sagte der Vorsitzende der IMK, Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU). Es gebe einen „einhelligen Beschluss“ der IMK, dass der Rückgriff auf gespeicherte Telekommunikationsdaten für die Ermittlungen zu schweren Verbrechen notwendig sei, sagte Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Das Bundesverfassungsgericht hatte das deutsche Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verworfen, aber nicht die Speicherung an sich. Die Innenminister drängen Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), einen Entwurf für ein neues Gesetz vorzulegen. Die Ministerin zögert aber. mit dapd/dpa

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