Politik : …wir an Klara denken

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Als die heilige Klara von Assisi im Jahre 1253 starb, fanden sich, wie Zeitgenossen berichteten, „in ihrem Herzen im kleinen alle Passionsinstrumente, und in ihrer Blase drei geheimnisvolle Steinchen“. Klara, die Gründerin des Ordens der Klarissinnen, hatte sich im Alter von 18 Jahren zum Ideal der Armut sowie zu Franz von Assisi bekannt, der ihr feierlich die Haare abschnitt. Das machte man damals so. Es heißt, Klara sei magersüchtig gewesen und habe als Gewand an warmen Tagen lediglich eine Schweinshaut getragen, generell soll ihre Spiritualität auf männliche Betrachter einen nicht ganz unerotischen Eindruck gemacht haben. Als die Sarazenen ihr Kloster belagerten, ließ sich die häufig kränkelnde Klara auf einer Bahre vor das Tor tragen und betete dort mit einer solchen Leidenschaft, außerdem so laut und aggressiv, dass die Sarazenen mit allen Anzeichen der Panik die Flucht ergriffen. Ihr Leichnam, heißt es, ruht immer noch unverwest in Assisi.

Als Papst Pius XII. Klara zur Schutzpatronin des Fernsehens ernannte, begründete er es mit der Tatsache, dass gerade diese Heilige besonders häufig Visionen gehabt hat. Fernsehen heißt auf italienisch, Pius’ Muttersprache, nämlich „Televisione“. Außerdem war Klara bereits für die Augenkranken und Blinden zuständig, das in Assisi seit Jahrhunderten vertriebene „Klarawasser“ soll Augenschmerz lindern. Drittens heißt es auf einer christlichen Website: „Klara hatte viele Prüfungen zu erleiden, blieb aber immer fröhlich.“ Nicht wenige Fernsehzuschauer werden sich in dieser Beschreibung wiedererkennen.

Die Idee, Heilige zu Schutzpatronen zu ernennen, wird in den letzten Jahren von Kirchenreformern häufig kritisiert. Bekanntlich ist der heilige Gabriel für das Fernmeldewesen zuständig, der heilige Mauritius für die Infanterie, der heilige Notburg von Rattenberg für den Feierabend und der heilige Johannes für die Trinker. Dass es für Wein und Weinbau noch sieben weitere Schutzpatrone gibt, ist ein Tribut an die Lebensgewohnheiten in katholischen Gegenden. Die Kritiker haben oft an der Qualifikation der Schutzpatrone etwas auszusetzen. Laurentius etwa, Märtyrer und Schutzpatron der Köche, wurde auf glühenden Eisen lebendig gebraten. Die Kritiker sagen, dass diese Methoden mit der modernen Kochkunst wenig zu tun hätten. Daran mag etwas sein.

Einerlei: Heute ist der Tag der heiligen Klara! Um die Politik sowie die Politiker kümmert sich die heilige Jeanne d’Arc.mrt

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