Politik : „Wir brauchen Geld, Geld, Geld“

Andrea Nüsse[Amman]

Von nun an werden sie ausgegeben: die neuen irakischen Banknoten, auf denen – statt Saddam Hussein – Hammurabi, der Herrscher Babylons aus den Jahren 1792 bis 1759 vor Christus, zu sehen ist. Sie ersetzen die seit 1991 benutzten Geldscheine, den „neuen Dinar“, der im Irak gedruckt wurde, nur in kleinen Geldnoten existiert und kaum fälschungssicher ist. Damit kehrt der Irak zum „Swiss Dinar“ zurück, der seit 1991 nur noch in den de facto autonomen Kurdengebieten genutzt wurde. Die neuen Scheine sind jedoch bunter, und auch alte „Swiss Dinar“ müssen bis Januar 2004 umgetauscht werden. Damit hat der Irak wieder eine einheitliche Währung. Davon erhofft sich der Regierungsrat wirtschaftliche Stabilität und einen festen Umtauschkurs.

Zum wirtschaftlichen Wiederaufbau des Landes wird allerdings massive ausländische Hilfe nötig sein. Dies betonten Mitglieder des provisorischen Rates bei einem Wirtschaftsforum in Amman, an dem etwa 700 überwiegend arabische Geschäftsleute teilnahmen. „Wir brauchen Geld, Geld, Geld“, sagte der Elektrizitätsminister Aiham al Sammarae. Zum Aufbau des Elektrizitätsnetzes brauche man acht Milliarden Dollar allein 2004. Al Sammarae rief insbesondere arabische Länder auf, hier einzuspringen. Wiederaufbauminister Bian Baker al Zubaidi muss etwa vier Millionen Flüchtlinge und Vertriebene ansiedeln und will dafür im kommenden Jahr eine Million Wohnungen bauen. Planungsminister Mehdi al Hafedh kündigte für 2004 die Einführung von Zollgebühren in Höhe von fünf Prozent an, versprach aber, dass die irakische Wirtschaft sich dem freien Wettbewerb öffnen werde.

Interessant für ausländische Investoren war die Ankündigung von Zentralbankchef Sinan al Schbabi, dass sechs Lizenzen für ausländische Banken vergeben würden, um den Finanzsektor in Gang zu bringen. Allerdings müssten Interessenten „immenses“ Kapital mitbringen, um für die hohen Risiken während der Übergangsphase gewappnet zu sein. Die US-Firma Bechtel, die von der US-Regierung Milliarden-Aufträge zum Wiederaufbau des Irak erhalten hat, riet, sich mit irakischen Partnern zusammenzutun. 70 Prozent der 138 bisher von Bechtel vergebenen Verträge seien an irakische Unternehmen vergeben worden – allerdings für kleine Aufgaben.

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