Politik : „Wir brauchen niemanden“ Iraks Außenminister betont Eigenständigkeit

Andrea Nüsse[Amman]

Der kleine Mann im offenen beigefarbenen Hemd und kariertem Jacket inspiziert das Buffet im Fünf-Sterne-Hotel „Le Royal“ in Amman. Zwischen den wenigen Geschäftsleuten in dunklen Anzügen mit Krawatten, die an diesem Mittwochmorgen in dem Restaurant sitzen, wirkt der rundliche Herr wie ein Tourist: Doch es ist der alte und neue irakische Außenminister Hoschjar Sebari.

Bereits am Vortag ist er aus Bagdad abgereist, um bei den Vereinten Nationen irakische Wünsche bei der Ausarbeitung einer neuen UN-Resolution zu Gehör zu bringen. „Ich bin auf dem Weg nach New York, aber ich musste ja noch die Ernennung des neuen Kabinetts abwarten“, berichtet Sebari. Er zeigt sich sehr zufrieden mit den Ereignissen der vergangenen Tage: „Wir haben der Welt gezeigt, dass wir weder die USA , noch die Vereinten Nationen brauchen, um eine eigene Regierung zu finden“, betont Sebari. „Wir haben sechs Frauen im Kabinett und bis auf acht Minister, die bereits vorher im Amt waren, neue Gesichter. Und wir haben es geschafft, dass eine Regierung ohne Blutvergießen die Macht abgibt. Das sind Leistungen, die nicht unterschätzt werden dürfen.“ Der Kurde räumt jedoch ein, dass der UN-Gesandte Lakhdar Brahimi hinter den Kulissen eine entscheidende Rolle gespielt habe.

Auf die Frage, ob er offiziell zu den Beratungen der neuen Resolution bei den Vereinten Nationen eingeladen wurde, antwortet er ausweichend: „Es ist besser, wenn man selbst dabei ist.“ Sebari gibt sich optimistisch, dass man in der kniffligen Frage, wer zukünftig im Irak für die Sicherheitskräfte verantwortlich ist, eine befriedigende Lösung finden wird. „Die irakischen Truppen werden unter dem Oberbefehl des irakischen Verteidigungsministers stehen“, stellt er klar. Die neue Regierung werde ansonsten partnerschaftlich mit Washington zusammenarbeiten, dessen etwa 138 000 Soldaten im Irak stationiert bleiben.

Wie das funktionieren soll? „Ähnlich wie in Deutschland, wo auch noch lange nach dem zweiten Weltkrieg ausländische Truppen stationiert waren“, sagt Hoschjar Sebari.

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