Politik : Wir-Gefühl

Matthias Meisner

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Es ist schon schlecht bestellt um die PDS. Doch nichts ist offenbar so schlimm, dass es nicht noch schlimmer werden kann. Nun schickte der Parteivorstand eine „Sofortinformation“ an alle Landesvorsitzenden und beklagte doch glatt – wir zitieren wörtlich –, die PDS habe es in den letzten Jahren nicht mehr vermocht, ein „Wir-Gefühl auf größeren Veranstaltungen zu erzeugen, zu organisieren“. Die Führung verordnete den Genossen, sich zu einem „Einheizmarkt“ am 3. Oktober auf dem Berliner Schlossplatz zu zeigen. Gemäß dem Motto: „Hier kommt die PDS hin, hier sind WIR zusammen.“

Doch wer sind diese WIR, und, vor allem, was wollen sie? Eine mögliche Auflösung findet sich im Internet. Denn dort sucht die PDS derzeit Demonstrationslosungen aus vergangenen Zeiten. 40 Einsendungen sind bereits veröffentlicht – von „Mit vollen Säcken schlagen wir den Kapitalismus“ (Mecklenburger Dorf, 50er Jahre) bis „Ehrlichkeit bis zum Grund, nur das macht die Partei gesund“ (Berlin, Ende 1989). Zuweilen will die PDS es selbst nicht glauben: Das Transparent mit der Parole „30 Jahre DDR – 30 Jahre Staatszirkus“ habe, betont sie, „angeblich (!)“ am Zirkus „Aeros“ gehangen.

Noch ist nicht verbürgt, dass die PDS nun mit alten Losungen ein neues WIR-Gefühl organisieren will. Aber vielleicht klappt es ja: „Jedermann, an jedem Ort, einmal in der Woche Sport“ – diesen Spruch habe Walter Ulbricht gern benutzt und damit „ganze PDS-Parteitage in Bewegung gesetzt“, erinnert PDS-Vorstandsmitglied Wolfgang Gehrcke. Ob das am 3. Oktober noch einmal klappt? Oder sind womöglich schon heute die allermeisten Jogger im Volkspark verkappte Genossen?

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