Politik : Wir haben verloren Ein ernstes Wort an A. B.

Bernd Ulrich

Reden wir nicht lange drumherum: Wir hassen Alexander. Wir alle. Wir, das sind die Leute vom Tagesspiegel, das Kollektiv, der eifersüchtige, wahre Partner von Tanja. Wir haben einen Vertrag mit ihr, der besagt, jedenfalls zwischen den Zeilen, klipp und klar: Tanja gehört uns, mit all ihrer Zeit, all ihrer Leidenschaft, ihrer Präzision. Und dann kam dieser Alexander.

Das heißt, ehrlich gesagt war er schon da, bevor Tanja zu uns kam. Aber anfangs fiel er nicht weiter ins Gewicht. Aus unserer Sicht war er nur ein Hobby, und das ist erlaubt, ja, da sind wir nicht so. Denn wir sind liberal. Nun wohnte Alexander, der Hassenswerte, in Hamburg, arbeitete bei so einer Zeitschrift und nach ein paar Jahren merkten wir, Ehemänner spüren so was intuitiv, dass Tanja näher zu ihm hin will. Das Hobby fing an, lästig zu werden. Schließlich entschied sich Tanja, nach Hamburg zu ziehen. Wir waren rasend vor Eifersucht. Ließen uns aber nichts anmerken und stimmten mit aasigem Lächeln zu. Insgeheim dachten wir: Lass die beiden nur mal zusammen wohnen, dann wird sie schon merken, wer in Wahrheit zu ihr gehört.

Ganz so kam es nicht. Vielmehr wandte der Hassenswerte einen fiesen Trick an. Tanja wurde schwanger. Damit hatte er uns besiegt. Wie zum Hohn macht der Hassenswerte ihr auch noch einen zuckersüßen Heiratsantrag. Und was sagte unsere Tanja, nein sie hauchte es: Ja. Wir hatten sie verloren, uns blieb nur noch eines. Der Hass auf Alexander.

Unglücklicherweise lernten wir den Hassenswerten auch noch besser kennen. Beim Kisch-Preis und auf anderen Parties. Und, was stellten wir fest? Er ist supernett. Furchtbar! Und er liebt sie wirklich, womöglich fast so sehr wie wir. Grausam! O.k., Alexander, du hast gewonnen, jetzt sind wir das Hobby. Nun sei bloß lieb zu ihr, halt sie fest, sei ein guter Vater. Sonst holen wir uns Tanja zurück, das versprechen wir dir.

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