Politik : „Wir kämpfen mit der SPD“ Grünen-Chef Bütikofer warnt vor Übermut

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Die Grünen haben im größten Bundesland am Sonntag deutlich zugelegt. Dürfen wir uns jetzt auch auf forschere Grüne im Bund freuen?

Tatsache ist, wir haben die Wahl gewonnen. Ich nehme das Ergebnis in NordrheinWestfalen als sehr guten Rückenwind für die Landtagswahl im Mai nächstes Jahres. Und ich freue mich deshalb darüber. Aber wir werden nicht übermütig. Und bis zur Bundestagswahl 2006 haben wir noch einiges vor uns.

Ein Wermutstropfen für Sie dürfte sein, dass die SPD so schlecht abgeschnitten hat. Macht Ihnen der Zustand der SPD Sorgen?

Ich bleibe dabei, dass die SPD auf dem Weg ist, sich zu konsolidieren. Wir werden mit den Sozialdemokraten zusammen um die Mehrheit im Land kämpfen.

Was hat die SPD denn diesmal falsch gemacht? Anders als etwa im Saarland, wo vor drei Wochen gewählt wurde, haben sich die sozialdemokratischen Spitzenpolitiker in Nordrhein-Westfalen im Wahlkampf klar zum Reformkurs der Bundesregierung bekannt.

Erlauben Sie mir erstmal, dass ich mich über das grüne Wahlergebnis freue. Im Übrigen ist der große Wahlverlierer die CDU.

Aber die SPD könnte doch von den Erfolgen der Grünen lernen?

Es bleibt wichtig, dass man sich, wenn man Gegenwind bekommt, nicht beirren lässt. Wir wollen weiter produktiv zusammenarbeiten. Die gemeinsamen Reformperspektiven müssen klar liegen, nicht nur im sozialpolitischen Bereich, sondern auch die im Bildungs- und im Umweltbereich.

Schauen wir auf Köln: Dort hat die CDU zweistellig verloren. War das auch ein Signal der Wähler gegen Schwarz-Grün in der Domstadt?

Die Grünen in Köln haben weniger zugelegt als im Landestrend. Danach hätte sich Schwarz-Grün jedenfalls nicht als großer Renner für Köln erwiesen. Das wird man genauer analysieren müssen.

Die Grünen wollten ja immer wieder Schwarz-Grün testen. In Bundesländern hat es nie geklappt. Schadet jetzt dieser Dämpfer?

Kommunalpolitik hat ihre eigenen Gesetze. Schwarz-Grün in Köln war eine kommunalpolitische Veranstaltung. Mehr nicht. Strategische Schwarz- Grün-Signale gehen davon offenkundig keine aus.

Das Gespräch führte Matthias Meisner

Reinhard Bütikofer (51) ist seit Ende 2002 Vorsitzender der

Grünen. Zuvor war er

Politischer

Geschäftsführer der Partei. Im Oktober stellt er sich der

Wiederwahl.

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