Politik : "Wir können keinen Markt links liegen lassen" - BDI-Chef Henkel im Interview

Man hört[Sie seien an der Reise von Frau Wie]

Hans-Olaf Henkel (60) ist seit Januar 1995 Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Man hört, Sie seien an der Reise von Frau Wieczorek-Zeul nach Kuba nicht ganz unschuldig?

Ja, das ist insofern richtig, weil ich mit einer Wirtschaftsdelegation im Mai letzten Jahres in Kuba war und mich nach meiner Rückkehr bei der Bundesregierung für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern eingesetzt habe. Ich habe Frau Wieczorek-Zeul ermuntert, nach Kuba zu fahren.

Was verbindet Sie eigentlich mit Fidel Castro?

Gar nichts. Aber gut, ich will nicht verhehlen, dass ich als junger Mann begeistert war, wie die mit dem Batista aufgeräumt haben. Aber als sie nach der Schweinebucht die ersten Hinrichtungen vollzogen haben, bin ich sehr kritisch gewesen. Ich bin ja seit Jahren Mitglied von Amnesty International und habe mich bei meinen Treffen mit Fidel Castro nicht nur über die Handelsbeziehungen unterhalten, sondern eben auch ganz besonders über die Menschenrechte.

Ist Kuba ein Markt?

Natürlich. Man muss Kuba nur im Zusammenhang mit dem karibischen Raum betrachten, und dann ist es ein interessanter Markt. Deutschland hat in den letzten Jahren stetig Marktanteile verloren, übrigens auch in Lateinamerika insgesamt. Wir können uns nicht leisten, auch nur einen Markt sozusagen links liegen zu lassen, weil er zu klein ist. Die ehemalige Bundesregierung hat unglücklicherweise die Rückzahlung der Altschulden der DDR mit der Vergabe von Hermes-Bürgschaften verknüpft. Ohne Hermes-Bürgschaften bleiben die Exporte aus Deutschland aus. Ich finde es gut, dass die Ministerin auch Vertreter der Wirtschaft in ihrer Delegation hat, ich weiß, sie wird sich für die wirtschaftlichen Interessen unseres Landes einsetzen. Ich denke auch, dass sie sich für Menschenrechte einsetzt. Und sie wird sich natürlich für Entwicklungsprojekte einsetzen. Wenn man was bewegen will, muss man auch mit undemokratischen Führern reden.

Was können die Kubaner den Deutschen bieten?

Man muss objektiv sehen, dass in Kuba die Möglichkeiten, wie ein freies Unternehmen vorzugehen, begrenzt sind. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass man erstmal den ausländischen Investoren das Leben erleichtert und damit auch das Investieren. Aber Kuba hat ein Potenzial für die deutsche Wirtschaft, denken Sie nur an das marode Transportsystem. Das ganze Bahn- und Schienennetz muss erneuert werden, es gibt einen großen Nachholbedarf bei Transportfahrzeugen. Selbst in der Medizintechnik gibt es einen Bedarf für Modernisierung, auch wenn die kubanische Medizinversorgung weiterhin gut ist. Es gibt viele Möglichkeiten, auch bei den Stromversorgern.

Was empfehlen Sie der Politik?

Ich finde, die Deutschen müssten es so machen wie die Franzosen oder andere Europäer: Sie sollte mit dieser Regierung sprechen. Und unsere Regierung sollte uns helfen, Handel zu treiben - nicht erschweren wie durch die Blockade der Hermes-Kredite. Allerdings hat die Bundesregierung gehandelt, es gibt ein Abkommen mit der kubanischen Regierung, wie man die Altschulden behandelt. Und ich hoffe, dass das zu einer Auflockerung bei der Vergabe der Hermes-Bürgschaften führt. Es ist nicht so, dass sich die Bundesregierung taub stellt, sie macht es richtig nach meiner Meinung. Ich finde, man sollte sich zudem für Menschenrechte in aller Welt einsetzen, deshalb sollte man die Bundesregierung auch nicht dafür kritisieren, dass mit Frau Wieczorek-Zeul nun erstmals nach dem Krieg eine Ministerin Kuba besucht, sondern sie loben. Das Interview führte Armin Lehmann.

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