Politik : „Wir lieben ihn wie Johannes Paul“

Der Papst erhält in Polen freundlichen Beifall – zur Warschauer Messe kamen aber weniger als erwartet

Thomas Roser[Warschau]

Dunkle Wolken verdüsterten den Gläubigen am Warschauer Pilsudski-Platz die Sicht auf ihren Hoffnungsträger. Sie habe auf ein anderes Wetter bei der PapstMesse gehofft, seufzte im strömenden Regen die Pfadfinderin Magda Kania, die den meisten der klatschnassen Gottesdienstbesuchern vergeblich Mineralwasser offerierte: „Wasser haben die Leute genug.“ Das Wetter könne ihr die „heilige Stimmung“ nicht verderben, versicherte unter ihrem Regenschirm indes die Rentnerin Czeslawa Bazurak: „Benedikt ist so sanftmütig und so mild – wir lieben ihn genauso wie unseren Johannes Paul.“

Tatsächlich präsentierte sich der Deutsche bei der ersten Großmesse seiner Polen-Reise am Freitag als eher dogmatischer Wächter der katholischen Glaubenslehre. Fest zur Tradition der Kirche sollten die Gläubigen stehen, auch „wenn diese manchmal schwer verständlich ist“, mahnte der Oberhirte seine Schützlinge. Etwas moderater hatte seine Predigt am Abend zuvor beim ökumenischen Gottesdienst in der lutheranischen Drei-Einigkeits-Kirche geklungen. Eindringlich forderte er dazu auf, keine Angst vor „gemischten“ Ehen mit Partnern anderer Bekenntnisse zu haben: Diese seien ein „Laboratorium für die Einheit des Glaubens“.

Wo Benedikt in Polen auch auftritt – freundlicher Beifall ist dem Kirchenfürsten in dem tiefgläubigen Land gewiss. Doch nicht nur bei der Messe in Warschau, die 300 000 Menschen statt der erwarteten Million besuchten, ist der Publikumzuspruch deutlich geringer als bei den Polen-Fahrten seines Vorgängers Johannes Paul. „Wir begrüßen den Papst warm, aber nicht heiß“, konstatierte am Freitag nüchtern die Zeitung „Dziennik“. Durchgängig positiv bewerteten die Gazetten aber die bisherigen Botschaften des Gastes: Vor allem die „starken Worte“ an den heimischen Klerus wurden ausdrücklich begrüßt. „Benedikt zeigt den Priestern ihren Platz“, freute sich der „Super Express“ über die Aufforderung des Papstes an die Geistlichen, sich mehr um die Seelsorge als um Politik und Privatgeschäfte zu kümmern. „Benedikt konkret“ hinterlasse mit seiner Reise den Polen „nicht nur Fotos fürs Erinnerungsalbum“, sondern auch „jede Menge Hausaufgaben“, so die Zeitung „Zycie Warszawy“.

In Krakau und Umgebung wird der Papst am Wochenende in der Heimat von Johannes Paul II. seine Reise auf dessen Spuren fortsetzen. Als Geste des Gedenkens an seinen Vorgänger ist der Besuch in Wadowice zu verstehen: Laut Umfragen halten die Polen den Abstecher in den Geburtsort von Karol Wojtyla sogar für wichtiger als Benedikts Besuch des Konzentrationslager Auschwitz.

„Unterschiede“ in der polnischen und internationalen Wahrnehmung der Pilgerreise konstatiert Adam Boniecki, Chefredakteur des „Tygodnik Powszechny“. Die Botschaft in Auschwitz sei an ein internationales Publikum gerichtet und habe eine „globale Bedeutung“, so Adam Szostkiewicz, Kirchenexperte der Zeitschrift Polityka: „Gerade weil Benedikt ein Deutscher ist, wird sein Besuch eine größere Bedeutung haben als der von Jan Pawel in Auschwitz.“

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