Politik : …wir mal so und mal so sind

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Im Grunde genommen sind wir Deutsche ein faules Volk. Carl Benz, zum Beispiel, war zu faul zum Laufen. Oder Johannes Gutenberg. Der war zu faul, Bücher abzuschreiben, wie es alle taten. Wie die Welt angesichts derartigen Müßiggangs auf die Idee kommen konnte, dass die Deutschen ein fleißiges Volk sind, bleibt ein Rätsel.

Über den Nationalcharakter der Franzosen hat Heinrich Heine befunden, dass der Franzose leidenschaftlich gerne verzeiht und vergisst. Für soviel Lobhudelei haben sie ihn Onri Einé genannt und später auf dem Cimetière Montmartre beerdigt. Zu Heines Entlastung ist zu sagen, dass er zum Zeitpunkt seiner Analyse noch nichts von Bismarck wusste, und nichts vom Krieg der Deutschen und Franzosen in den Jahren 1870 und 1871. Demzufolge auch nichts von dem elefantösen Gedächtnis des Franzosen und seiner späten Rache, aus der heraus er uns erst Louis de Funès über den Rhein schickte, dann Mireille Mathieu und heute Michel Houellebecq.

Über die vermeintliche Lässigkeit der Niederländer ließe sich nur anhand einer Ballsportart räsonieren, über die im Allgemeinen und besonders im Zusammenhang mit Holland aber schon viel zu viel räsoniert wird.

Über Italiener urteilt man, dass sie leidenschaftlich sind, Spanier stolz und heißblütig, Briten spleenig, Amerikaner laut, Japaner viele und Russen durstig. Zum italienischen Nationalcharakter ist noch sein herausragender Mut nachzutragen, so wie er im dünnsten Buch der Weltliteratur festgehalten ist: Italienische Heldensagen.

Stimmt aber alles nicht. Ist alles Unsinn. Eine Forschergruppe um den US-Wissenschaftler Antonio Terraciano vom National Institute on Aging in Baltimore hat jetzt in mehreren Studien festgestellt, dass nationale Charaktere allenfalls gefühlte nationale Charaktere sind. Alleine der Name des Chefforschers kann die These belegen. Antonio! Terraciano! Wenn da mal nicht italienische Vorfahren im Spiel sind. Und dann eine nüchterne, gleichwohl mutige These?

Also: Wir Deutsche fühlen uns nur pünktlich, kommen aber mitunter auch zu spät, etwa auf dem Weltmarkt, in der Computertechnik, beim Grand Prix. Die Italiener glauben nur, sie alle seien leidenschaftlich, können aber auch ganz anders sein und Silvio Berlusconi heißen oder Giovanni Trap… stopp, das ist wieder der Ballsport. Der Spanier heißblütig? Es gibt Spanier, die mittags im dicksten Trubel sehr kaltblütig einschlafen und dies dann Siesta nennen. Die Studie zusammenfassend kann man sagen, dass die Menschen überall auf dem Globus mal so und mal so sind. Grenzüberschreitend. Das ist doch schön und tröstlich.uem

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