Politik : …wir mit Einstein kühlen

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Wie das EinsteinJahr beweist, schlummert in jedem von uns die Sehnsucht nach dem Universalgenie. Wir haben uns dran gewöhnt, dass es diese Typen nicht mehr gibt, die in absolut jedem Lebensbereich gleichermaßen brillieren, Archimedes, Leonardo da Vinci, Heinrich Lübke. Jürgen Habermas zum Beispiel würde zweifellos schon an der selbst verfassten Steuererklärung scheitern, Bill Gates kann vermutlich Shakespeare nicht von Budweiser unterscheiden – und würden Sie eine politische Analyse ernst nehmen, die von Günter Grass stammt? Na, eben.

Einstein also, der letzte. Vermutlich stöbern deshalb alle in seinem Nachlass, um dort ein klitzekleines Weltförmelchen zu finden, ein Raum–Zeit-Kontinuum fürs Arbeitszimmer oder doch wenigstens den Bauplan für einen funktionierenden Spaghettiheber. Deshalb vermerken wir hier mit Freude, dass der Geniale in den zwanziger Jahren einen Kühlschrank konstruiert und ihn auch zum Patent angemeldet hat.

Noch basteln sie an der Universität Oldenburg am Nachbau des Geräts herum. Um ehrlich zu sein: Was dieser Tage aus der Werkstatt dringt, klingt eher ernüchternd. Kein Gedanke an ein kleines Gefrierfach in der Nähe des absoluten Nullpunkts, das den trockenen Martini zur Perfektion gebracht hätte, kein kleiner Atomreaktor für saubere Energie ohne Kosten und genervte Stromableser.

Ja, das Gerät bringt nicht einmal das relative Genie-Minimum mit, das wir bei einer Einstein-Erfindung doch wohl erwarten dürfen: Legt man einen vergammelten Himbeerjoghurt hinein, läuft das Haltbarkeitsdatum keineswegs rückwärts oder doch wenigstens langsamer ab als im Supermarkt. Vielleicht, wenn wir es mitsamt Joghurt in Richtung Alpha Centauri schießen?

Schlimmer noch: Der Einstein-Kühlschrank pustet zur Kälterzeugung täglich einen Liter Alkohol in die Gegend und noch viel mehr Wasser. Man könnte sagen: Einstein fand die Kälte an sich relativ wichtiger als das, was wir heute den Ressourcenverbrauch nennen. Im Grunde war er vermutlich nur zu faul, jeden Tag einzukaufen oder zumindest seine Zugehfrau ordentlich zu bezahlen.

Dennoch: Ein Genie muss auch mal was vermurksen dürfen, ohne gleich seinen Geniestatus zu verlieren. Lesen Sie deshalb morgen hier: Wie Thomas Alva Edison das Handy erfand. Und sich beim Stolpern über das 20-Kilometer-Kabel leider fürchterlich das Knie verletzte. bm

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