Politik : …wir neidisch werden

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Zwei von drei Deutschen sind neidisch auf das Glück anderer. Diesen Umstand hat dieser Tage eine Umfrage der TNS Emnid Mediaforschung herausgefiltert. Kann aber auch sein, dass nur einer von drei Deutschen neidisch ist, oder keiner von drei, oder drei von drei es sind. Kann auch sein, dass Emnid neidisch ist auf dimap und auf Allensbach oder umgekehrt – Schluss jetzt mit der Häme über Meinungsforscher. Die machen nur ihren Job.

Manchmal haben sie unverschämtes Glück, und die Zahlen stimmen. Das genau ist es: Männer neiden anderen Männern eben dieses unverschämte Glück. Man kennt das Phänomen aus der FußballBundesliga, in der der FC Bayern München mit purem Glück 127 Mal Deutscher Meister geworden ist. Oder am Skilift. Die Schlange geht sich nie aus, immer stehen andere neben der perfect Ten im weißen Overall. Oder beim Lottospiel: Immer gewinnen andere Männer. Mit dem Glück ist es eine vertrackte Sache. So wie bei dem gläubigen Alten, der Woche für Woche den Herrgott um den Jackpot anflehte. Nie gewann er ihn. Als er dann Jahre später vor seinem Schöpfer stand, machte er ihm bittere Vorwürfe. „Warum hast du mich nie gewinnen lassen.“ Der Herr zuckte die Schultern: „Du hast ja nie gespielt.“ Andererseits ist es natürlich tatsächlich so, dass der Kollege nichts kann und trotzdem bei der Gehaltserhöhung immer der Erste ist.

Frauen neiden anderen Frauen laut Emnid Jugend und Schönheit. Und Männer wie Frauen haben große Probleme mit der Popularität eines anderen. Mensch, der kann machen, was er will, und ich hocke daneben trotzdem wie ein Mauerblümchen, denken die dann. Man kennt das Problem aus Elefantenrunden. Wie gesagt, das muss alles nicht stimmen, das sind ja alles nur Erhebungen von Meinungsforschern.

Aber mal angenommen, dass doch. Dann sind wir ein strebsames Land. 68 Prozent lassen ihren Neid nämlich nicht einfach nur Neid sein, sondern nehmen ihn als Herausforderung, selber mehr Ehrgeiz zu entwickeln. Behaupten sie zumindest. 68 Prozent, die schöner und jünger werden wollen. Meistens gelingt das aber nicht. In diesem Zusammenhang seien Uschi Glas, Rolf Eden und Udo Jürgens lobend erwähnt, denen allesamt Neid auf Jugend fremd ist und die in Würde fern von Hautcreme und Solarien altern. 68 Prozent, das ist übrigens in etwa die Menge, die kürzlich CDU und SPD gewählt hat. Ob das nun ein klares Votum für eine große Koalition ist, ist jedoch wegen der großen demoskopischen Schwankungen nicht zu bestimmen.uem

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