Politik : Wir sind da, wo es wehtut

Von Axel Vornbäumen

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Wie geht es Deutschland? Nicht gut. Gary Lineker kann nun wirklich nicht mehr ernsthaft zitiert werden mit seiner lange Zeit doch sehr plausiblen Erklärung, wonach Fußball ein Sport sei, bei dem 22 Spieler mit einem Ball gegeneinander antreten und am Ende Deutschland gewinnt. Man muss sich also Sorgen machen. Kein Quatsch. Eine Nation, die bei der mühsamen Suche nach ihrer Identität auf DMark, Wirtschaftswunder und die Helden von Bern angewiesen war, droht Gefahr, in Gleichgewichtsstörungen zu geraten. Die D-Mark ist weg, über die Wirtschaft kann man sich nur wundern. Und die Helden der Neuzeit? Kicken müde.

Kurzer Blick zurück, EM 2004, Portugal. Wie war das mit dem Fußball und den Deutschen? Sie schieden aus, just in dem Moment, da ein tschechisches B-Team für die letzten 20 Minuten einen Spieler von internationaler Klasse einwechselte. Einen! Der schoss prompt das Tor. Eine Pointe, sicher. Aber auch eine Zustandsbeschreibung.

Nur, es kam noch schlimmer. Danach, nach dem Ausstieg Rudi Völlers als Teamchef der Nationalmannschaft, stand der deutsche Fußball einen quälenden Sommer lang auf der Kippe. Das ist nicht nur eine Behauptung, das ist auch ein Zitat. Es stammt aus dem Tagesspiegel. Werner Hackmann, der Präsident der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat es geliefert. Die Erinnerung an den Sommer, das ist die reichlich deprimierende Morgengabe für den heute beginnenden DFB-Bundestag. Geht es noch deprimierender? Ja, geht. Davon später.

Zunächst zurück zum Zustand. Der neue Teamchef heißt Jürgen Klinsmann. Er kam als Notlösung. Er kommt aus Amerika. Er will „Strukturen zerschlagen“. Er wird es nicht leicht haben.

Jetzt zum Deprimierenden: Der DFB-Bundestag wird heute von Horst Köhler eröffnet. Das ist der neue Bundespräsident. Er kam auch als Notlösung. Und er kommt auch aus Amerika. Er würde auch gerne „Strukturen zerschlagen“. Er hat als Bundespräsident dazu nur das gesprochene Wort. Man müsste, wenn das denn ginge, bei Oddset einen nennenswerten Betrag darauf setzen, dass er in seiner Eröffnungsrede Analogien bilden wird zwischen dem Reformbedarf in Deutschland und dem des deutschen Fußballs. Dann werden sie nicken. Sie werden klatschen. Und dann werden sie weitermachen wie bisher.

Dabei sind es bis zur WM im eigenen Land nicht einmal mehr zwei Jahre. Es ist, auf 30, 40 Jahre hin, das größte Sportereignis, das Deutschland haben wird. Jürgen Klinsmann hat das erkannt. Er ist bereit, seinem Ziel, Weltmeister zu werden, alles unterzuordnen. Er führt neue Trainingsmethoden ein, zerschlägt Hierarchien. Es gibt viel Überkommenes, was hintangestellt werden müsste. Muss. Das Wichtigste: Eitelkeiten.

Es ist nicht zu erkennen, wie ein DFB- Präsident, dessen Hauptanliegen es ist, sich in der eigenen Eitelkeit zu sonnen, mit der Gedankenwelt eines Jürgen Klinsmann zurechtkommt. Er kann ihm keine Hilfe sein, nur Last. Gerhard Mayer-Vorfelder ist der falsche Mann, sogar um das Funktionärs-Deutschland bei der Fußball-WM 2006 zu repräsentieren. Viele wissen das, beim DFB. Viele kuschen. Als Kompromiss wird ihm nun Theo Zwanziger zur Seite gestellt, frei von Kompetenzgehubere ist der auch nicht.

Es steht nicht gut um Deutschland, Abteilung Fußball. Wenigstens ist Sepp Maier nicht mehr Torwarttrainer. Wir sind bescheiden geworden, beim Feiern von Erfolgen.

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