Politik : „Wir sind froh, noch am Leben zu sein“

Die im Irak freigelassenen Geiseln sind wieder in Deutschland / Berlin dankt USA für Mithilfe

Robert Birnbaum

Berlin - Erschöpft, aber wohlbehalten sind die beiden Geiseln Thomas Nitzschke und René Bräunlich am Mittwoch aus dem Irak nach Deutschland zurückgekehrt. Eine Sondermaschine brachte die zwei jungen Ingenieure der Firma Cryotec von Bagdad nach Berlin. „Ich bin froh, wieder daheim zu sein“, sagte der 32-jährige Bräunlich. Der 28-jährige Nitzschke dankte dem Krisenstab des Auswärtigen Amtes. „Wir sind sehr froh, noch am Leben zu sein, was für uns nicht selbstverständlich ist“, sagte er. Bundespräsident Horst Köhler, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Spitzenpolitiker zeigten sich erleichtert über den guten Ausgang.

Die beiden Männer waren am 24. Januar im Nordirak verschleppt und am Dienstag nach 99 Tagen freigelassen worden. Sie hatten die Nacht in der deutschen Botschaft in Bagdad verbracht und von dort aus zum ersten Mal nach Hause telefonieren können. Nach der Rückkehr in Deutschland sollten sie die Gelegenheit bekommen, ihre Familien ungestört an einem abgeschirmten Ort wiederzusehen. Beide wirkten erschöpft, brauchten aber vorerst keine ärztliche Behandlung.

Über die Hintergründe der Tat und die Umstände der Freilassung wahrte die Regierung weitgehend Stillschweigen. Das Auswärtige Amt betonte, man wolle eventuellen Nachahmungstätern keine Informationen liefern. Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler (SPD), machte aber in der ARD deutlich, dass es sich bei den Entführern offenbar um Kriminelle handelte und nicht um politisch motivierte Täter. Schon die Analyse der Videos von den Entführten, mit denen die vermummten Geiselnehmer ihre Forderungen übermittelt hatten, habe Hinweise in Richtung der „Geisel- Industrie“ im Irak ergeben. Darin habe auch die Chance der zwei Deutschen auf Freilassung bestanden: „Wenn das in den harten politischen Kern hineingeht, ist das meistens nicht so glücklich“, sagte Erler. Die Frage nach Lösegeld wollte er nicht beantworten und kritisierte die Debatte über solche Zahlungen mit Blick auf künftige Fälle als „nicht hilfreich“. Der irakische Botschafter in Deutschland, Alaa Hussain al Haschimi, äußerte die Vermutung, dass auch in diesem Fall „eine Menge Geld“ geflossen sei.

Ebenfalls unbekannt blieb zunächst, wie die beiden Männer aus Bennewitz bei Leipzig genau wieder in Freiheit gekommen waren. Die Bundesregierung dankte neben anderen Staaten namentlich den USA für ihre Mithilfe. Merkel lobte im Kabinett kurz vor ihrem Abflug zu einem Besuch in Washington diese gute und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Nach Angaben von Vizeregierungssprecher Thomas Steg nahm das gesamte Kabinett die Freilassung mit Erleichterung auf. In Leipzig, wo hunderte Menschen während der gesamten Entführung immer wieder mit Gebeten und Mahnwachen an das Schicksal der Entführten erinnert hatten, planten Kirchenvertreter, Freunde und Kollegen der beiden Männer Freudenfeiern.

Die Politik erneuerte Warnungen an alle Firmen und Privatpersonen vor Reisen in den Irak. Erler kritisierte, man hätte sich viel Kummer und Ärger ersparen können, wenn frühere Reisewarnungen befolgt worden wären. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Ruprecht Polenz (CDU), erhofft sich von der Entführung eine abschreckende Wirkung. Selbst wenn die beiden Männer den Umständen entsprechend gut behandelt worden seien, werde sicher niemand mit ihnen tauschen wollen, warnte er.

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