Politik : "Wir sind gezwungen zu betteln"

Beatrice von Weizsäcker

Der katholische Verein "Donum Vitae" berät schwangere Frauen in Konfliktsituationen - Unterstützung kommt von Laien und Politikern, aber noch fehlt viel GeldBeatrice von Weizsäcker

Wie viel Geld nötig sein wird, weiß sie nicht. "Eine Beratungsstelle kostet etwa 90 000 bis 100 000 Mark im Jahr", sagt Rita Waschbüsch. Waschbüsch ist Vorsitzende des Vereins "Donum Vitae", einem Verein, den katholische Laien im Herbst vergangenen Jahres gegründet haben, nachdem der Papst den Verbleib der katholischen Kirche in der gesetzlichen Schwangerenberatung untersagt hatte. Die Beratungsstellen der katholischen Kirche dürfen zwar weiterhin Frauen beraten, ihnen aber keine für eine straffreie Abtreibung notwendigen Scheine mehr ausstellen. Die erste Beratungsstelle von "Donum Vitae" wurde am Freitag im saarländischen Homburg eröffnet. Bis zum Jahr 2002 sollen bundesweit weitere 100 bis 150 Stellen folgen. "Donum Vitae" will überall dort einspringen, wo sich die katholische Kirche zurückzieht.

Die Verantwortlichen zeigen sich bislang "vorsichtig optimistisch". Die organisatorischen Voraussetzungen haben sich nach Angaben von Waschbüsch deutlich verbessert. Offenbar gibt es genug Personal für die geplanten Beratungsstellen. Auch das Finanzpolster reiche aus, um die Arbeit zu beginnen, sagte die frühere Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) dem Tagesspiegel. Die Spendenbereitschaft steige. 3500 bis 4000 Mitglieder und Spender, so Waschbüsch, habe der Verein bereits gewinnen können. Tendenz steigend. Gleichwohl sei der Bedarf noch lange nicht gedeckt: "Wir sind gezwungen zu betteln, damit sich möglichst viele Menschen hinter das Anliegen der Frauen stellen."

Und was geschieht, wenn "Donum Vitae"-Mitarbeiter von der Kirche unter Druck gesetzt werden? "Kein Bischof hat die Absicht, das zu tun", sagt Waschbüsch. Dann müsste die Kirche auch gegen katholische Beraterinnen etwa bei den Gesundheitsämtern oder Pro Famila vorgehen. Das sei unvorstellbar und überdies "sehr unkatholisch". Natürlich gebe es die Möglichkeit der Exkommunikation, wenn jemand die Grundüberzeugungen der Kirche leugne. "Wenn wir etwa sagen würden, es gibt kein Lebensrecht des Menschen, wäre das so ein Fall. Aber genau das tun wir nicht."

Sollte das Projekt scheitern, wäre das "sehr tragisch", sagt Waschbüsch, nicht nur für die Frauen, sondern auch für die Kirche. Danach sähe es derzeit jedoch nicht aus. Denn auch die Bundesländer hätten zu ihrer Überraschung durchweg positiv reagiert und staatliche Zuschüsse in Aussicht gestellt. Waschbüsch: "Wir sind ja auch seriöse Leute."

Schützenhilfe kommt also nicht nur von Laien, sondern auch von politischer Seite. Regina Görner gehört dazu. Sie ist saarländische Sozialministerin. Auch sie ist dem Verein beigetreten - demonstrativ, wie sie sagt. Dass die saarländische Landesregierung das Projekt in Homburg finanziell unterstützt, ist für die Katholikin selbstverständlich.

"Höchst bedauerlich" fände es Görner, wenn es "Donum Vitae" nicht gelänge, die Beratungsstellen aufzubauen und am Leben zu erhalten, wie sie dem Tagesspiegel sagte. Wenn sich dann kein anderer Träger fände, wäre dies das Aus der katholischen Schwangerschaftskonfliktberatung in Deutschland. Der Staat sei verpflichtet, die Beratung mit einem möglichst breiten Angebot sicherzustellen: "Aber ich kann mir natürlich keinen katholischen Träger schnitzen."

Doch die CDU-Politikerin ist sicher, dass der Verein es schaffen wird. Die bisherigen katholischen Einrichtungen, getragen von der Caritas und dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), hätten schließlich ebenfalls "außerordentlich erfolgreich zum Leben" beraten.

Genau darauf setzt auch der Verein. In einer "Selbstdarstellung" verweist "Donum Vitae" auf eine Statistik des Deutschen Caritasverbandes für das Jahr 1997, nach der mehr als 5000 Frauen durch die kirchliche Beratung dafür gewonnen werden konnten, ihr Kind zu bekommen. "Diese und andere Zahlen belegen, dass der Einsatz für das ungeborene Leben im Rahmen der gesetzlichen Schwangerschaftskonfliktberatung nachweislich eine reale Erfolgschance hat."Mehr zum Thema im Internet



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