Politik : „Wir sind nicht weinerlich“

Große ostdeutsche Koalition der Kritik an Altkanzler Schmidt

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Berlin (sc). Die von Altbundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) beklagte „Weinerlichkeit“ vieler Ostdeutscher hat auch am Montag zahlreiche heftige Reaktionen ausgelöst. Der letzte DDRMinisterpräsident Lothar de Maiziere (CDU) sagte dem Tagesspiegel, „Schmidt und seinen ehemaligen Landsleuten sind Transformationsprozesse solchen Ausmaßes, wie sie die Ostdeutschen zu bewältigen hatten, nie zugemutet worden. Ich möchte sehen, wie sie auf solche Anforderungen reagiert hätten.“ Zu der Feststellung des Altbundeskanzlers, bei der Wiedervereinigung 1990 seien „ökonomische Dilettanten“ am Werk gewesen, sagte de Maiziere, „seine guten ökonomischen Ratschläge zur Gestaltung der deutschen Einheit“ habe Schmidt „damals für sich behalten“. „Zum jetzigen Zeitpunkt fallen sie unter die Rubrik: Nach dem Rathaus ist man immer schlauer als vor dem Rathaus.“

Passagen aus Schmidts Interview in der „Sächsischen Zeitung“ stießen auch in der eigenen Partei auf Kritik. Der für den Aufbau Ost zuständige Minister Manfred Stolpe sagte der „Bild“-Zeitung, bei Besuchen in Potsdam, Rostock oder Schwerin würde der Altkanzler feststellen, „dass die Ostdeutschen weniger weinerlich sind als andere Deutsche“. 13 Jahre Umbruch hätten „abgehärtet“. Der ostdeutsche SPD-Bundestagsabgeordnete Markus Meckel sieht „eine Verlotterung des politischen Stils“. Die sächsische SPD-Landeschefin, Constanze Krehl, sagte: „Ostdeutsche – und vor allem die Sachsen – sind prinzipiell nicht weinerlich.“

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