Politik : „Wir sind zur Zielscheibe geworden“

Wie Hilfsorganisationen die Sicherheitslage im Irak einschätzen

Christian Gaca

Gefahren lauern überall auf die humanitären Helfer. Mittlerweile aber sind es offenbar zu viele, zu tödliche. Zahlreiche Organisationen ziehen wegen der eskalierenden Lage im Irak derzeit internationales Personal aus dem Land ab oder haben dies bereits getan. Stillstand bedeutet dies für die Hilfsarbeit nicht – sie läuft weiter, oft mit Einschränkungen und auch dank der irakischen Mitarbeiter. Welche Bedingungen aber müssen erfüllt sein, damit die Hilfsorganisationen wieder mit ihren internationalen Mitarbeitern im Irak arbeiten können?

Rudi Tarneden, Pressesprecher von Unicef Deutschland, macht die Arbeit der internationalen Teams von Einschätzungen der UN abhängig. Deren Abteilung Unescord sammele regelmäßig Informationen über die Situation im Irak. Daraus resultieren eine „Landkarte der sicherheitsrelevanten Ereignisse und eine Einschätzung der Gefahrenlage“. Die Interpretation dieser Informationen führt dazu, dass derzeit alle internationalen Mitarbeiter abgezogen sind. Tarneden, der noch im Mai selbst im Irak war, sieht eine neue Qualität der Gefahr, da Mitarbeiter von Hilfsorganisationen immer mehr „zur Zielscheibe geworden sind“. Erst wenn die Einschätzungen von Unescord wieder eine halbwegs gefahrlose Arbeit prognostizieren, will Unicef seine Mitarbeiter zurück in den Irak schicken. Unterdessen koordiniert das internationale Team von Jordanien aus die Hilfe.

Die Organisation „Ärzte ohne Grenzen" hat ihr Team im Irak von 30 internationalen Mitarbeitern auf sieben reduziert. Vor allem aus dem als besonders gefährlich geltenden Südirak wurden Helfer abgezogen. Heute kümmert sich „Ärzte ohne Grenzen“ in zwei armen Stadtvierteln Bagdads um ein Gesundheitszentrum und Trainingsmaßnahmen in einem Krankenhaus.

Maßgeblich auf irakische Hilfe setzt auch Caritas International. „Die nationalen Mitarbeiter haben die Situation gut im Griff, seit mehr als zehn Jahren“, sagt Sprecherin Linda Tenbohlen. Die Entsendung internationaler Mitarbeiter sei eindeutig an die Sicherheitsfrage geknüpft, die Signale seien aber eher schlecht. „Die UN haben zahlreiche Mitarbeiter abgezogen, vieles liegt brach.“ Die Caritas betreibt im Irak mehrere Gesundheits- und Ernährungszentren.

Noch immer im Irak ist Alexander Christof, Chef der Hilfsorganisation „Architekten für Menschen in Not“. Von Bagdad aus koordiniert er Hilfsprojekte wie den Aufbau von Trinkwasserversorgungssystemen. „Vor dem Krieg, während des Kriegs und nach dem Krieg haben wir die Verantwortung für 45000 Menschen übernommen. Die kann man nicht einfach im Stich lassen“, sagte er am Montag. Direkt bedroht fühlt sich Christof bei seiner Arbeit nicht. „Wir sind nicht die UN, viele kennen uns seit langem.“ Gefahr gehe von Verwicklungen auf dem Weg zu den Hilfsprojekten aus. Da müsse man eben vorsichtig sein.

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