Politik : …wir Sorgen im Überfluss haben

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Völlig unbeachtet blieb in diesen Tagen die Krise der Krokolederindustrie. Und weiß Gott, sie steckt in der Krise. Dankenswerter Weise ist nun Dan Lewkowicz dieser bedenklichen Ignoranz entgegengetreten. Lewkowicz, Chef der französischen Gerberei France Croco, hat öffentlich gemacht und angeprangert, dass die Jagdsaison auf Krokodile in diesem Jahr ausfällt. Ärger noch: Auch die Zuchtfarmen haben Lieferprobleme. Krokodilleder könnte sich immens verteuern in diesem Jahr. Schwere Zeiten mithin für Frau Gsell und Wesensverwandte.

Dabei ist die Krokolederindustrie völlig schuldlos in die Verstrickung geraten. Katrina, die Vermaledeite, hat Schuld, oder besser, der Vermaledeite, denn der Hurrikan war es, der die Krokolederindustrie in die Depression geworfen hat. „Die Tiere drohen zu verhungern, weil das Personal geflüchtet ist“, sagt Lewkowicz. Nun könnte man einwenden, dass es so schlimm nicht sein kann, wenn die Tiere noch in der Lage sind, zu drohen. Aber die ganze Schwere des Problems wird deutlich, wenn man bedenkt, „dass durch die starken Winde und den Einsturz der Gebäude viele Eier zerstört sind“. Immerhin legt so eine Krokodilin pro Jahr zwischen 20 und 90 Eier ab, auf dass nach 60 bis 100 Tagen die Kleinen schlüpfen, auf dass sie groß werden und später Frau Gsell und Wesensverwandten als Zierde dienen. Ein echtes Problem mithin.

Immerhin kommen 300000 Krokodilhäute pro Jahr aus Louisiana. Und die Jagdsaison, die nur drei Wochen bewilligt ist, fing am 3. September an, aber niemand nahm sich, verdammt noch mal, die Zeit, auf die Jagd zu gehen. Dabei hatte man gewusst, wohin so eine Flut führt. Nach dem Tsunami – neben Louisana liefert auch Asien Häute für die Welt – nach dem Tsunami stiegen die Preise für Krokodilhäute um 50 Prozent an. 50 Prozent! Wahnsinn! 1500 Euro kostet jetzt eine einzige Haut. Und es ist nicht mal sicher, ob eine Haut reicht für ein Täschchen von Vuitton. Rettung ist nicht in Sicht. Die verfluchten Stromausfälle in den Sümpfen von Louisiana stören die Zucht, klagt Dan. Dabei ist doch gerade jetzt Brutzeit.

Was tun? Sollen Frau Gsell und ihre Wesensverwandten etwa umsteigen auf Schweins- oder Rindsleder, wie es Krethi und Plethi trägt? Das kann nicht Sinn von Katrina gewesen sein. Wahrscheinlich gibt es keine Lösung. Wahrscheinlich müsste eines der Krokodile, das noch bei Kräften ist, mal eben nach Frankreich rüberschwimmen und Dan Lewkowicz und der Krokolederindustrie kräftig in den Hintern beißen. Auf dass das Hirn ein wenig durchgewirbelt wird und dann vielleicht nicht mehr am falschen Ende klagt. uem

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