Politik : …wir uns was Leckeres drucken

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Lange nichts mehr von der Astronautennahrung gehört? Von den Pillen, die pro Stück den Nährwert eines halben Schweins samt Salatbeilage und Dessert enthalten? Vermutlich liegt es am gravierenden weltweiten Astronautenmangel oder daran, dass so etwas selbst nach der zehnten Jupiterumrundung eklig schmeckt. Das Auge isst mit, und es will keine Pillen essen, unter keinen Umständen.

Doch ist das Thema damit erledigt? Der Chicagoer Küchenchef Homaro Cantu hat die Sache zu Ende gedacht: Er bereitet seine Menüs mit dem Tintenstrahldrucker zu. Das Gerät spritzt essbare Tinten dergestalt auf essbares Papier, dass das Ergebnis, hübsch gefaltet und gerollt, wie ein MakiSushi aussieht und nach Zugabe von etwas Aromapulver auch so schmeckt. Die Wartezeit verkürzen sich Cantus Gäste, indem sie in eine konventionelle Gazpacho nach und nach die Speisekarte hineinbröckeln: Die dort aufgedruckte Kuh schmeckt nach Steak, das Huhn nach Huhn, die Erdbeeren nach Erdbeeren.

Spötter mögen einwenden, das mache McDonald’s doch schon seit Jahrzehnten so. Vielleicht. Doch dem Großunternehmen fehlt die Konsequenz des ingeniösen Chefs, der damit ja nur das Leitmotiv seiner künftigen Arbeit setzt: Es wird einen 3-D-Drucker geben, der Papier-Sushi am Tisch zubereitet, Laserbacköfen für Brot mit der Kruste innen und Löffel, in deren Griff sich die Suppe von allein erhitzt; Freunde der leichten Küche werden sich über Ionen-Kanonen freuen, die das Essen über dem Teller schweben lassen, sofern Teller dann überhaupt noch nötig sind.

Na ja. Wichtiger ist womöglich die geistige Dimension von Cantus Arbeit, der als gelernter Erfinder interdisziplinäre Aspekte stets im Auge behält. Wie, fragt er, könnte die Escher-Grafik „Relativität“ schmecken, die mit den Treppen, die im Kreis herumführen? Wirklich sagen ließe sich das freilich erst, wenn mal jemand ins Original hineinbeißt und dessen Aroma akkurat beschreibt. Weiter: Schmeckt die Mona Lisa nach Tomatensauce? Van Goghs Selbstporträt ohne Ohr womöglich nach Blut? In letzter Konsequenz erscheint uns die Vision eines sozialverträglichen Kannibalismus, dessen Anhänger sich darauf beschränken, gut gedruckte und aromatisierte Nachbildungen zu essen.

Immerhin: Das Astronautendasein wird angesichts solcher Perspektiven wieder denkmöglich. Sie müssten nur vorher unbedingt die neumodische Papiernahrung auf den Mond schießen. bm

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