• „Wir wollten einfach nicht ewig warten“ NRW führt islamischen Bekenntnisunterricht ein

Politik : „Wir wollten einfach nicht ewig warten“ NRW führt islamischen Bekenntnisunterricht ein

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Herr Minister Laschet, Islamunterricht gibt es inzwischen an deutschen Schulen. Wodurch unterscheidet sich Ihr Versuch?

Es gibt in vielen Schulen Islamkunde. In Köln und Duisburg soll bekenntnisorientierter Unterricht gegeben werden, das heißt, er wird von den Glaubensgemeinschaften selbst gestaltet.

Und wieso beschränkt auf zwei Städte?

Bisher scheiterte bekenntnisorientierter Islamunterricht immer daran, dass der Staat auf muslimischer Seite keinen Ansprechpartner hatte. Die Verbände konnten sich nicht einigen. In Köln und Duisburg sollen sich nun die örtlichen Moscheegemeinden zu einer „Schura“ zusammenschließen. Diese wird mit einem theologischen Beirat Inhalt und Form des Unterrichts festlegen und steht auch den muslimischen Verbänden offen. Mit der Schulministerin werden Lehrpläne erarbeitet; der Unterricht soll in deutscher Sprache stattfinden, unter deutscher Schulaufsicht und von in Deutschland ausgebildeten Lehrern.

Taugt das als Modell, eine Art Häuserkampf Stadt um Stadt?

Wir wollten einfach nicht ewig warten. Außerdem bin ich sicher, dass die theologischen Unterschiede in Unterrichtsfragen so groß gar nicht sind. Ich wette, wenn das in Köln und Duisburg funktioniert, wird es auch in Heidelberg, Hamburg oder München klappen. Aber natürlich kann ein Versuch auch scheitern.

Warum wollen Sie keine neutrale Vermittlung von Wissen über die Weltreligionen?

Wir halten es für besser, wenn Glauben authentisch von Gläubigen vermittelt wird, so wie es das Grundgesetz vorsieht. Warum soll für den Islam nicht gelten, was für Katholiken und evangelische Christen selbstverständlich ist? Im Übrigen bin sicher, dass die Gleichbehandlung von Muslimen und Christen in der Schule auch bei der Entstehung eines europäischen Islam hilft, dessen Gläubige nicht mehr zerrissen werden zwischen Frömmigkeit und dem Ja etwa zum deutschen Grundgesetz.

Mit Laschet sprach Andrea Dernbach.

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