Politik : Wird Ex-Faschist Außenminister in Rom?

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Rom Zuerst das Desaster, jetzt allgemeine Zufriedenheit: Mit der Nominierung von Außenminister Frattini für die neue EU-Kommission hat Italien elegant die Kurve gekriegt. Was aber, wenn jetzt ein gewendeter Neofaschist der Nachfolger Frattinis in Rom wird?

Formal ist noch offen, wer neuer italienischer Außenminister wird. Aber ob Premier Silvio Berlusconi diesmal wieder einen Trick findet, den Vizepremier Gianfranco Fini zu bremsen? Fini leitet die Alleanza Nazionale, die Nachfolgeorganisation der neofaschistischen Partei MSI, die nach dem Krieg als Heimstätte für die Anhänger Benito Mussolinis gegründet worden war. Noch vor zehn Jahren hat Fini den „Duce“ als größten europäischen Politiker bezeichnet, seither aber sich und seinen Neofaschisten einen Wendekurs auferlegt. Die Alleanza Nazionale soll nicht mehr „postfaschistisch“ genannt werden, sondern eine moderne, rechtskonservative Partei sein. Ausländerfeindlichkeit und Ausfälle gegen Homosexuelle gelten in der AN als nicht mehr hinnehmbar. Mehrfach hat Fini – unter einigen prominenten Verlusten am traditionalistischen Rand der Partei – dem Faschismus abgesagt, ihn sogar einmal als „absolutes Übel“ bezeichnet. 1999 war Fini in Auschwitz; im November 2003 honorierte sogar Israel seine Aussöhnungsversuche: Fini durfte offiziell nach Jerusalem reisen. Seither fühlt sich Fini politisch reingewaschen genug, sein Land in der Welt zu vertreten.

Doch noch könnte die Lega Nord ihren größten Gegner in der Koalition zu Fall bringen.Will Berlusconi das ohnedies prekäre Gleichgewicht in seiner Koalition wahren und sich bis zu den Wahlen 2006 retten, dann hat er jetzt eine schwierige Regierungsumbildung vor sich. pak

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