Politik : Wird Karadzic bald ausgeliefert?

Markus Bickel[Niksic]

Der Mönch ist höflich, aber bestimmt. „Bitte wenden Sie sich mit allen Fragen an die Klosterleitung in Ostrog“, sagt der Mittdreißiger in seiner schwarzen Kutte. Javorov Do, 15 Autominuten von der montenegrinischen Bergstadt Niksic entfernt: Das nur über einen Schotterweg erreichbare, vor drei Jahren eröffnete Nebenkloster der serbisch-orthodoxen Kultstätte Ostrog ist an zwei Seiten von hohen Steinmauern umgeben, den Rest des Geländes schützen zerklüftete Felsen vor unliebsamem Besuch. Hier soll sich der seit acht Jahren untergetauchte Ex-Präsident der bosnisch-serbischen Republika Srpska, Radovan Karadzic, aufhalten – oder aufgehalten haben. Das berichtete jetzt das montenegrinische Magazin „Monitor“. Ein ausgeklügeltes System von unterirdischen Tunneln und Räumen biete dem vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Völkermordes gesuchten Karadzic Unterschlupf.

Doch die heimliche Kooperation serbisch-orthodoxer Würdenträger mit dem mutmaßlich für das Massaker von Srebrenica verantwortlichen 60-Jährigen könnte bald ein Ende haben. So sollen die serbischen und montenegrinischen Geheimpolizeichefs „Monitor“ zufolge vorige Woche im Auftrag Karadzics mit hochrangigen CIA-Leuten im montenegrinischen Luftkurort Kolasin über Bedingungen für eine freiwillige Überstellung verhandelt haben. Eine der montenegrinischen Regierung nahe stehende Quelle gab gegenüber dem Tagesspiegel ebenfalls an, dass US-Beamte an Verhandlungen über eine Auslieferung an das Tribunal beteiligt seien.

Dass Karadzic in der Umgebung von Niksic untergetaucht sein könnte, vermuten westliche Geheimdienste seit langem. Spätestens nach dem gescheiterten Festnahmeversuch durch Spezialkräfte der Nato-geführten Bosnien-Schutztruppe Sfor im bosnischen Bergdorf Celebici im Frühjahr 2002 sei der Aufenthalt dort zu gefährlich geworden. Aktionen der internationalen Protektoratsverwaltung in Sarajevo haben zudem zur Austrocknung des finanziellen Unterstützernetzwerks Karadzics geführt, das neben politischen Weggefährten auch Schlüsselfiguren der organisierten Kriminalität umfasste. Der Aufforderung seiner Frau Ljiljana von Ende Juli, sich freiwillig dem Tribunal zu stellen, schloss sich am Freitag auch der zuletzt zehn Tage lang von Nato-Soldaten verhörte Karadzic-Sohn Aleksander an. Nun warten alle auf eine Reaktion des Untergetauchten.

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