Politik : …wirderMafia eine Brücke bauen

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Inzwischen weiß jeder Mensch, dass wir die Mafia im Lande haben. Mafia gibt es praktisch für jeden Gesellschaftsbereich. Wenn zum Beispiel Fernsehmoderatoren im Hotel Not leiden, hilft die RussenMafia, die Not mit Hilfe junger Damen zu lindern. Den Autoverkehr regelt die Polen-Mafia. Die Rosen-Mafia verteilt in Kneipen teure Blumen. Es gibt eine Wurst-Mafia, die bestimmt, was in eine Bratwurst darf. Bei der Bier-Mafia ist es ähnlich. Für Kleidung ist das Berliner Modelabel M.a.p.h.i.a zuständig. Jetzt gibt es sogar eine Schiedsrichter-Mafia. Der versuchen wir in Deutschland gerade den Garaus zu machen und sie auszuschließen aus unserer Gesellschaft.

In Italien, dem Ursprungsland alles Mafiösen, geht man einen anderen Weg. Jahrelang, ja eigentlich jahrhundertelang, hockte die Mafia abgeschnitten von der Welt auf Sizilien. Zwischen Kalabrien und den Mafiosi Messinas hatte Gott die Straße von Messina gelegt, diese an ihrer engsten Stelle dreieinhalb Kilometer breite Meeresenge. Noch heute ist die Straße von Messina ein wichtiger Streckenabschnitt für den Wespenbussard, die Rohrweihe und den Schwarzmilan auf dem Weg von Afrika in die Prignitz.

Die Menschen Messinas indes waren mit Kalabrien bis weit in die neunziger Jahre nur mit einer Hochspannungsleitung für 220 Kilovolt verbunden. Das Kabel war windanfällig und musste vor kurzem durch ein Seekabel ersetzt werden. Aber eine Brücke? Nein, die gab es nicht. Obwohl schon Archimedes darüber nachgedacht hat. Dass die Mafia andere Wege gefunden hat, um Sizilien zu verlassen und in Hollywood den Paten I, II und III zu drehen, ist bekannt. Mit Brücke hätten wir bestimmt schon Teil IV.

Im Korruptionswesen und im Schiedsrichterwesen (man denke nur an Pierluigi Collina) sind die Italiener wesentlich beschlagener als wir. Wo wir die Mafia ausschließen wollen, schließen sie die Mafia ans Festland an: Sie bauen die Brücke von Messina! Das wird die längste Hängebrücke der Welt. Zwar wird sie erst 2012 fertig, bildet dann aber einen festen Bestandteil der „Berlin-Palermo-Achse“, der Eisenbahnachse, auf der die in Berlin ansässige Russen-Mafia bequem zu ihren geistigen Vätern reisen kann.

Was Pierluigi Collina angeht, so muss noch berichtet werden, dass der weltbeste Fußballschiedsrichter auch einmal in einen kleinen Korruptionsskandal verwickelt war. Vom Deutschen Fußball-Bund hatte er anlässlich eines Länderspiels einen Föhn als Gastgeschenk bekommen. Schiedsrichter bekommen immer überall Gastgeschenke. Der Bestechungsversuch misslang. Collina trägt krankheitsbedingt seit seiner Kindheit Glatze.uem

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