Politik : Wirtschaftsabkommen: USA und Vietnam schließen historischen Handelsvertrag

Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Krieges in Vietnam haben die USA und das kommunistisch regierte asiatische Land ein Abkommen zur Liberalisierung ihrer Handelsbeziehungen unterzeichnet. US-Präsident Bill Clinton sprach am Donnerstag (Ortszeit) in Washington von der "Saat für eine bessere Zukunft nach bitterer Vergangenheit". Das Abkommen werde nicht nur den bilateralen Warenaustausch ankurbeln, sondern auch die vietnamesische Wirtschaft "radikal öffnen" und den Weg in die internationale Gemeinschaft ebnen. In den USA und Vietnam wurde der Vertrag als Schritt zur Normalisierung der Beziehungen gesehen. Erst vor fünf Jahren hatten die einstigen Kriegsgegner diplomatische Kontakte aufgenommen.

Das Abkommen sichert Vietnam den Status eines begünstigten Handelspartners und damit einen erleichterten Zugang zum US-Markt zu. Im Gegenzug verpflichtet sich Hanoi, seine noch weitgehend staatlich kontrollierten Märkte für Wettbewerb und ausländische Investoren zu öffnen. Clinton äußerte die Hoffnung, dass sich in Vietnam in der Folge marktwirtschaftliche Reformen und mehr Menschenrechts- und Arbeitsstandards durchsetzen. Bevor das Vertragswerk in Kraft treten kann, müssen noch der US-Kongress und die vietnamesische Volksversammlung ihren Segen geben.

Dem Abkommen wird in den USA mehr politisches Gewicht beigemessen, während es für Vietnam von hohem wirtschaftlichem Interesse ist. Angesichts einer jährlich um 1,2 Millionen Menschen wachsenden Erwerbsbevölkerung und starker Zuwanderung in die Städte steht die Regierung unter Druck, rasch viele Arbeitsplätze zu schaffen und Investitionen anzulocken. Für Hanoi sind die USA ein wichtiger Absatzmarkt für heimische Lebensmittel, Textilien, Schuhe und kunstgewerbliche Güter. Der Vertrag soll Vietnam überdies dem erhofften Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) näherbringen.

Auch ohne Abkommen wuchsen die Handelsbeziehungen zwischen den USA und Vietnam in den vergangenen Jahren stetig. Clinton betonte, dass die USA 1993 Waren für nur vier Millionen Dollar in das südostasiatische Land exportiert hätten; inzwischen sei das Jahresvolumen auf 291 Millionen Dollar (608,2 Millionen Mark) angewachsen. Umgekehrt lieferte Vietnam 1999 Waren für 609 Millionen Dollar (1,27 Milliarden Mark) in die Vereinigten Staaten.

Im Vietnamkrieg von 1959 bis 1975, der Washington die erste schwere militärische Niederlage bereitete, fielen 58.000 US-Soldaten, 1600 werden bis heute vermisst. Vietnam beklagt drei Millionen Kriegsopfer, darunter zwei Millionen Zivilisten.

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