Politik : Wirtschaftsforscher schrauben Erwartungen für 1999 herunter

BERLIN (dw).Der zaghafte Aufschwung der letzten Monate ist zu Ende.Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in seiner neuesten Konjunkturprognose.Das Wachstum der deutschen Wirtschaft wird demnach 1999 nur noch 1,4 Prozent betragen, nach 2,7 Prozent im Vorjahr.Bislang war die Bundesregierung von einem Wachstum zwischen 2,3 und 2,5 Prozent ausgegangen.Um die drohende Rezession zu vermeiden, fordern die Berliner Wissenschaftler von der Europäischen Zentralbank eine deutliche Zinssenkung, von der Bundesregierung das Vorziehen der Steuerreform.

Der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Torsten Albig, kommentierte die Konjunkturprognose zurückhaltend."Das ist die Wachstumsannahme eines Insituts", sagte er."Als solche nehmen wir sie zur Kenntnis.Sie deckt sich nicht mit unseren Annahmen." Die Bundesregierung bleibe bei ihrer Wachstumsprognose von etwa 2,4 Prozent für das nächste Jahr.

Das DIW führte seinen Pessimismus vor allem auf weltwirtschaftliche Faktoren zurück.Es sei ein Irrtum gewesen, die Auswirkung der Krisen in Asien, Rußland und Lateinamerika wegen der geringen Handelsverflechtung zu unterschätzen, betonte DIW-Präsident Lutz Hoffmann am Dienstag.Inzwischen gebe es "Sekundäreffekte", die den deutschen Export stark belasten.Nach zweistelligen Zuwachsraten im vergangenen Jahr würden die Ausfuhren 1999 um ein Prozent zurückgehen.Der rückläufige Export werde sich auch negativ auf die Investitionsneigung auswirken."Vor diesem Hintergrund ist nicht mit einer durchgreifenden Besserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt zu rechnen." Mit dem Export "bricht das Standbein des deutschen Aufschwungs weg", sagte Hoffmann

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland dürfte damit 1999 bei rund 4,2 Millionen stagnieren.Vor allem für Ostdeutschland revidierten die Berliner Wissenschafter ihre Erwartungen überraschend stark nach unten: Nachdem das DIW in seinem Frühjahrsgutachten noch ein Wachstum von 2,5 Prozent angenommen hatte, erwartet es für 1999 nun eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes von 0,8 Prozent."Die Bundesregierung sollte alles unterlassen, was die Nachfrage schwächt", so der Rat des DIW-Präsidenten.Das Institut empfehle eine "ausgewogene Politik", die die Nachfrage der Käufer stärken, dabei aber "die Angebotsbedingungen der Wirtschaft nicht schwächen sollte".Bei den Tarifverhandlungen hält das DIW Abschlüsse in der Höhe von rund drei Prozent für angemessen - was Produktivitätspotential und Geldentwertung in etwa widerspiegele.Ein um fünf Milliarden auf 75 Milliarden DM erhöhtes Staatsdefizit solle die Bundesregierung zur Belebung der Konjunktur "ruhig hinnehmen", empfahl Hoffmann.Um die inländische Nachfrage und die Angebotsbedingungen der Unternehmen zu verbessern, forderte der DIW-Präsident die Europäische Zentralbank zu Zinssenkungen von bis zu einem dreiviertel Prozentpunkt auf.

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