Wirtschaftsforschung : ZEW: Konjunkturerwartungen deutlich gesunken

Einer Umfrage des Mannheimer ZEW-Instituts zufolge blicken die deutschen Unternehmen bei weitem nicht mehr so optimistisch in die Zukunft wie noch vor einem Monat.

Mannheim - Die Konjunkturerwartungen für Deutschland sind nach einer Umfrage des ZEW-Instituts erneut deutlich gesunken. Das Stimmungsbarometer ging im Juni im Vergleich zum Vormonat um 12,2 Punkte auf 37,8 Punkte zurück, wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag in Mannheim mitteilte. Damit fiel der Indikator zum fünften Mal in Folge und lag nur knapp über seinem historischen Mittelwert von 35,3 Punkten. Ähnlich stark war der Rückgang im Mai gewesen.

Verantwortlich für die zurückgeschraubten Erwartungen seien ein anhaltend hoher Ölpreis, eine erwartete Zinserhöhungspolitik der Europäischen Zentralbank sowie ein starker Euro gegenüber dem Dollar. Außerdem näherten sich die bislang einkalkulierten Vorzieheffekte beim privaten Konsum in sechs Monaten ihrem Ende.

«Angesichts einer Reihe von Irritationen und Fehlentwicklungen in der Wirtschaftspolitik - wie etwa Antidiskriminierungsgesetz, Mehrwertsteuererhöhung, Reichensteuer - setzt sich die Ernüchterung bei den Finanzanalysten fort», sagte ZEW-Präsident Prof. Wolfgang Franz. Die Wirtschaftspolitik solle weiteren Kredit nicht verspielen, damit die Stimmung nicht gänzlich umschlage.

Die aktuelle Konjunktursituation in Deutschland bewerteten die Finanzexperten auch im Juni besser. Der Indikator stieg von 8,7 Punkten im Mai auf 11,9 Punkte im Juni. Exporte und Industrieproduktion hätten sich günstig entwickelt.

Für die Eurozone fielen die Konjunkturerwartungen im Vergleich zum Vormonat deutlich um 10,4 Punkte auf 37,3 Punkte. Die aktuelle Konjunkturlage verschlechterte sich geringfügig im 2,8 Punkte auf 15,5 Punkte.

Das ZEW befragt die Analysten und institutionellen Anleger nach ihren mittelfristigen Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung. Der Index gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die künftige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland auf Sicht von sechs Monaten wieder. Im Juni beteiligten sich 303 Analysten und institutionelle Anleger. (tso/dpa)

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