Politik : Wirtschaftsinstitute sehen Trendwende auf dem Arbeitsmarkt

1998 könnte die Zahl der Erwerbslosen leicht abnehmen Auch die wirtschaftliche Schwäche Berlins scheint vorbei HAMBURG/BERLIN (dpa/Tsp).Erstmals seit Jahren gehen die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland von einer Wende am Arbeitsmarkt aus.Im Jahr 1998 werden die Arbeitslosenzahlen je nach Institutsschätzung entweder leicht abnehmen oder zumindest kaum zunehmen.Der Arbeitsmarkt in Deutschland werde aber gespalten bleibe.Im Osten werde die Arbeitslosenzahl vor allem wegen der Krise am Bau weiter steigen, im Westen hingegen abnehmen.Auch die wirtschaftliche Schwächephase Berlins scheint überstanden.Im November waren rund 4,32 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos gemeldet. Rüdiger Pohl, Präsident des Institut für Wirtschaftsforschung (IHW/Halle), sagte in einer Umfrage des "Hamburger Abendblattes" für Gesamtdeutschland eine Reduzierung der Arbeitslosenquote von 11,5 Prozent in diesem Jahr auf 11,4 Prozent 1998 voraus.Das Münchener Ifo-Institut rechnet zwar mit einem leichten Anstieg der Quote von 11,4 auf 11,6 Prozent.Dieser Anstieg beruhe aber auf der Tatsache, daß die Arbeitslosenzahl in den ersten Monaten 1998 noch leicht zunehmen, und erst in der zweiten Jahreshälfte abnehmen werde."Vom Frühjahr an wird es wegen des recht guten Wirtschaftswachstums einen leichten Rückgang der Arbeitslosenzahlen geben", schätzt auch der Chef des Instituts für Weltwirtschaft (IFW/Kiel), Horst Siebert. Derweil hat der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Jagoda, erneut einen Abbau von Überstunden verlangt.Wenn von den zur Zeit 1,8 Milliarden bezahlten Überstunden im Jahr 40 Prozent in Jobs umgewandelt würden, könne das 400 000 Arbeitslose weniger bedeuten.Der Präsident der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände, Hundt, nannte die Forderung realitätsfern. Nach Einschätzung der Senatswirtschaftsverwaltung könnte Berlin 1998 nach einer Wachstumspause von zwei Jahren und einer noch verhaltenen Entwicklung in diesem Jahr auf einen zunächst moderaten Wachstumspfad zurückkehren.Nach dem nun veröffentlichten Jahresrückblick 1997 könnte das Wirtschaftswachtsum ein bis 1,5 Prozent erreichen.Damit dürfte die Berliner Wirtschaft wieder mehr Anschluß an die gesamtdeutsche Konjunktur gewinnen. Unterdessen beklagte Berthold Leibinger, Geschäftsführender Gesellschafter der Trumpf GmbH + Co, in einem Interview mit dem Tagesspiegel einen "Investitionsattentismus" in der Bundesrepublik.Die Stimmung im Lande "ist nicht gut", weil es keine Veränderungen gebe."Man ist aufs höchste frustriert über die mindestens scheinbare Unbeweglichkeit der Dinge durch die deutsche Politik", sagte Leibinger, der auch dem Präsidium der Bundesvereinigung der Deutschen Industrie angehört.

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