Wirtschaftskrise : Der Welt droht neue Hungerkatastrophe

Düstere Prognose der Welthungerhilfe: 2009 könnte es erstmals mehr als eine Milliarde Menschen geben, die Hunger leiden. Helfen könnten die Milliarden der Industrieländer.

Hunger
Somalische Frauen beladen ihr Kamel mit Wasser. -Foto: dpa

"Nullen allein machen nicht satt", mahnte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann, und appellierte an die reichen Industriestaaten, zumindest ein Prozent aus ihren Milliardenprogrammen für die Ankurbelung der Konjunktur für Entwicklungshilfe auszugeben. "Rettungspakete sind wichtig", sagte sie in Berlin, doch das allein reiche eben nicht.

Der Grund für ihre ernsten Worte sind neue Schätzungen der Hilfsorganisation: Demnach könnte die Zahl der Hungernden rund um den Globus in diesem Jahr erstmals die Milliardengrenze überschreiten.

Nach UN-Schätzungen können heute bereits 963 Millionen Menschen ihren täglichen Bedarf an Nahrungsmitteln nicht decken. Die meisten davon leben in Asien und Afrika. Durch die Krise werden demnach mehr als 50 Millionen Menschen zusätzlich unter die absolute Armutsgrenze fallen. Damit seien immer mehr Menschen völlig verarmt, müssen also mit weniger als 0,75 Euro pro Tag auskommen.

Dieckmann verwies darauf, dass kaum ein Entwicklungsland in der Lage sei, selbst ein Konjunkturpaket aufzulegen. Die Menschen in den ärmsten Staaten der Welt seien vielfach besonders von der Krise betroffen. Die reichen Länder auf der Nordhalbkugel sollten deshalb "keinesfalls ihre Ausgaben für Entwicklungshilfe" kürzen.

Der Hilfsorganisation selbst hatte 2008 knapp 102 Millionen Euro zur Verfügung. Zusätzlich nahm sie 37,1 Millionen Spenden ein. Beide Zahlen veröffentlichte sie in ihrem neuen Jahresbericht, den Dieckmann vorstellte.

Die Deutsche Welthungerhilfe ist eine der größten und ältesten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland. Nach dem Prinzip "Hilfe zur Selbsthilfe" setzt sie sich für eine Welt ohne Hunger ein. Der eingetragene Verein mit Sitz in Bonn leistet auch Nothilfe bei Katastrophen. Finanziert wird er durch öffentliche Zuschüsse und Spenden. Seit der Gründung im Jahr 1962 hat die Welthungerhilfe rund 5500 Projekte in mehr als 70 Ländern mit 1,9 Milliarden Euro gefördert. Derzeit arbeiten etwa 2800 Frauen und Männer für die Organisation, darunter rund 300 Deutsche. Schwerpunkt ihrer Arbeit ist Afrika. (Zeit Online)

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