Wirtschaftskrise : SPD für 40-Milliarden-Konjunkturprogramm

Einen Tag vor der Koalitionsrunde zur Wirtschaftskrise hat die SPD überraschend ein 40 Milliarden Euro umfassendes Konjunkturprogramm beschlossen. Der SPD-Vorschlag sieht kommunale Bauvorhaben, geringere Kassenbeiträge und Abwrackprämien für alte Autos vor - aber auch eine höhere Spitzensteuer.

Steinmeier
SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier. -Foto: dpa

BerlinDas von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vorgelegte Konjunkturprogram wurde am Sonntagnachmittag vom SPD-Präsidium in einer Telefonkonferenz einstimmig angenommen. Das 19 Seiten umfassende Papier sieht als Herzstück einen "Deutschlandfonds" mit mindestens 10 Milliarden Euro für kommunale Investitionen in Kindergärten, Schulen, Sportstätten und Eltern-Kind-Zentren vor. Finanziert werden soll das Paket unter anderem durch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes für die Dauer von zwei Jahren.

"Das ist kein Sammelsurium von Einzelmaßnahmen, sondern ein Konzept, mit dem wir unser Land auch in dieser Ausnahmesituation sicherer und moderner machen wollen", sagte Steinmeier der "Süddeutschen Zeitung". "Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung aller in Deutschland. Wir müssen strategisch handeln, nicht kurzfristig taktieren. Die Menschen erwarten mehr von der Regierung als Steuer-Schaukämpfe", meinte er mit Blick auf die unionsinterne Auseinandersetzung über schnelle Steuererhöhungen.

"Wir haben heute etwas Druck gemacht, weil es ist jetzt Zeit, dass es endlich zu Entscheidungen kommt", sagte SPD-Chef Franz Müntefering im "Bericht aus Berlin" der ARD am Sonntag. "Ich bin sicher, dass wir die besseren Vorschläge haben. Denn es ist ganz klar: Wir erreichen auch die, die keine Steuern zahlen." Das seien 24 Millionen Haushalte in Deutschland. Diese hätten nichts von einer Steuersenkung.

Abwrackprämien für alte Autos

Die SPD schlägt unter anderem vor, die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen von ihrem Eigenanteil von 0,9 Prozentpunkten am Beitragssatz von 15,5 Prozent zu entlasten. Dieser soll dauerhaft aus der Staatskasse finanziert werden, was den Bund jährlich zehn Milliarden Euro kosten würde. Allen Kindergeldempfängern sollen in diesem Jahr pro Kind einmalig 200 Euro zusätzlich überwiesen werden. Auch sollen die Kinder von Langzeitarbeitslosen alsbald mehr Unterstützung erhalten.

Zugleich soll es Hilfen für die Automobilindustrie geben. Wer ein mindestens zehn Jahre altes Auto 2009 verschrotten lässt und einen umweltfreundlichen Neuwagen kauft, soll 2500 Euro erhalten, im kommenden Jahr noch 1000 Euro. Die SPD will zudem die Kraftfahrzeugsteuer schon im Sommer auf den Abgasausstoß umstellen.

Solidarbeitrag für Spitzenverdiener

Das Breitbandnetz und die Energienetze sollen nach dem Willen der SPD modernisiert werden. Außerdem soll in die Bildung und Weiterbildung von Arbeitnehmern sowie die Qualifizierung von Kurzarbeitern investiert werden. Investitionsvorhaben des Bundes sollen vorgezogen und das Vergaberecht befristet vereinfacht werden.

Zur Finanzierung ist ein "Solidarbeitrag Bildung" für Spitzenverdiener - befristet auf die Jahr 2009 und 2010 - vorgesehen: Der Spitzensteuersatz soll von 45 auf 47,5 Prozent ab einem Jahreseinkommen von 125.000 Euro für Ledige und 250.000 Euro für Verheiratete erhöht werden. Die SPD will die Einnahmen in die Modernisierung und bessere Ausstattung von Kindergärten und Schulen investieren. Betroffen wäre laut SPD ein Prozent der Steuerzahler.

In dem Papier heißt es: "Wir halten es für richtig und angemessen, dass ein Teil des Geldes, aus dem wir den Deutschlandfonds speisen, mit einer zusätzlichen Anstrengung von den Leistungsträgern unserer Gesellschaft erbracht wird." Steinmeier sagte: "Es ist sozial gerecht, dass die Starken einen sehr überschaubaren Zusatzbeitrag leisten. Sie haben vom letzten Aufschwung stärker profitiert als andere." (jam/dpa/AFP)

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