Wirtschaftskrise : US-Repräsentantenhaus verabschiedet Obamas Konjunkturpaket

Nach zähen Verhandlungen hat das US-Repräsentantenhaus am Mittwochabend das 819 Milliarden Dollar umfassende Konjunkturpaket von US-Präsident Obama verabschiedet. Im Mittelpunkt des Pakets stehen Investitionen in Infrastruktur und Steuererleichterungen. Im US-Senat wird derweil an einem Gegenentwurf gearbeitet.

WashingtonErster Erfolg für US-Präsident Barack Obama an der Wirtschaftsfront: Das US-Repräsentantenhaus bewilligte am Mittwochabend Ortszeit das 819 Milliarden Dollar (622 Milliarden Euro) schwere Konjunkturprogramm Obamas. Die Abgeordneten stimmten mit 244 gegen 188 Stimmen für das Paket, das die Rezession überwinden helfen soll.

Im wesentlichen stimmten die Volksvertreter entlang der Parteigrenzen. Die Demokraten stellen im Repräsentantenhaus mit 256 Sitzen die Mehrheit, die Republikaner haben 178 Sitze. Die meisten Republikaner lehnen den Obama-Plan als Ausgabenverschwendung ab, die kaum helfen werde, die gravierende Rezession in den USA zu überwinden.

Obama verspricht "größtmögliche Transparenz"

Für die endgültige Verabschiedung eines Konjunkturpakets braucht es auch die Zustimmung des Senats, der noch nicht beraten hat. Obama hatte in den vergangenen Tagen eindringlich für den Plan geworben und "kühnes und rasches" Handeln gefordert, um die wirtschaftliche Abwärtsspirale zu stoppen. Der Präsident versicherte dem Kongress die größtmögliche Transparenz bei der Umsetzung des Konjunkturprogramms. Es werde nicht einfach mit Geld herumgeworfen, sagte Obama, sondern in das investiert, "was funktioniert".

Der Plan sieht 544 Milliarden Dollar an Ausgaben und Steuererleichterungen im Umfang von über 275 Milliarden Dollar vor. Die Gelder sollen zum großen Teil in die Modernisierung der Infrastruktur sowie in den Umweltschutz investiert werden; auch die staatlichen Hilfen für sozial Schwache soll verstärkt werden. Zwischen drei und vier Millionen Arbeitsplätze sollen nach den Vorstellungen Obamas bis 2010 mit dem staatlichen Konjunkturprogramm geschaffen oder gesichert werden.

Republikaner bezweifeln Wirksamkeit

"Es ist schwer, das Staatsschiff zu wenden, aber das ist es, was wir tun müssen, dazu hat uns Präsident Obama in seiner Rede bei der Amtseinführung aufgerufen", meinte die demokratische Präsidentin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, kurz vor der Abstimmung. Die Republikaner blieben bei ihrer Kritik an den Regierungsplänen. Sie wollen zwar grundsätzlich auch ein staatliches Programm zur Ankurbelung der Konjunktur, setzen aber vor allem auf Steuererleichterungen. Die Konservativen bezweifeln, dass die umfangreichen staatlichen Investitionen tatsächlich die Wirtschaft ankurbeln können.

Am Dienstag war Obama im Washingtoner Kapitol mit republikanischen Spitzenpolitikern zusammengetroffen, um sie zu einer Zustimmung zu bewegen. Obama zeigte sich Medienberichten zufolge in den Gesprächen offen für Änderungen des Konjunkturplans, aber erst nach einem Votum im Abgeordnetenhaus. Die täglichen Wirtschaftsdaten zeigten, wie dringend Handeln erforderlich sei, sagte der Präsident. 2008 sind in den USA insgesamt 2,6 Millionen Arbeitsplätze verloren gegangen, die Arbeitslosigkeit stieg auf derzeit über sieben Prozent.

Senat arbeitet an Gegenentwurf

Im Senat wurde noch an einem eigenen Entwurf gearbeitet, der nach dem Stand vom Mittwoch auf ein noch umfangreicheres Paket im Umfang von 900 Milliarden Dollar hinauslaufen könnte. Nach einem Senatsvotum wird deshalb ein Kompromisspapier zwischen den Vorlagen der beiden Kongresskammern ausgearbeitet werden müssen.

Obama kann das Paket zwar auch ohne Unterstützung der Republikaner auf den Weg bringen, da die Demokraten auch im Senat die Mehrheit haben. Da Obama aber einen "neuen Geist der Zusammenarbeit" in Washington anstrebt und angesichts der enormen Herausforderungen durch die Wirtschaftskrise sucht er eine möglichst breite Unterstützung für seinen Konjunktur-Plan. Obamas Ziel ist es, bis spätestens Mitte Februar ein unterschriftsreifes Gesetzes auf dem Tisch zu haben. (jr/dpa)

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