Politik : Wirtschaftswachstum bleibt hinter Erwartungen zurück

WIESBADEN (AP).Die Konjunktur in Deutschland hat im Frühjahr eine Verschnaufpause eingelegt.Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wies für die Monate April bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nur noch einen Anstieg von 1,7 Prozent auf, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch erklärte.Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt rechnet unterdessen weiter mit einem Wachstum von 2,9 Prozent für das Gesamtjahr.Der SPD-Wirtschaftsexperte Rolf Schwanitz kritisierte dagegen, die Daten zeigten, daß Deutschland von einer wirklich positiven Beschäftigungsentwicklung weit entfernt sei.

Rexrodt meinte, aus den Zahlen des Bundesamtes gehe hervor, "daß sich der Aufschwung völlig ohne inflationäre Verspannungen fortsetzt und mehr und mehr zur Verbesserung der schwierigen Arbeitsmarktlage beiträgt".Nach seinen Angaben hat die private Verbrauchsnachfrage, die sich auf mehr als die Hälfte der Inlandsnachfrage beläuft, im ersten Halbjahr nur wenig zugenommen.Allerdings seien die Aussichten günstig, daß sich die Binnennachfrage "bald auch insgesamt kräftigt".Auch der CDU-Wirtschaftssprecher Matthias Wissmann machte eine solide Basis des Aufschwungs aus.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Ernst Schwanhold, sieht in der Differenz zwischen erstem und zweitem Quartal bestätigt, daß die wirtschaftliche Erholung in Deutschland noch nicht auf einem sicheren Fundament stehe.Ein anhaltendes Wachstum sei aber Voraussetzung für einen wirklichen Beschäftigungs-Aufschwung und eine dauerhafte Trendwende am Arbeitsmarkt.Die neuen Daten zwängen zum wirtschafts- und finanzpolitischen Handeln.

Nach Berechnungen der Statistiker wuchs das Bruttoinlandsprodukt - der Wert der erwirtschafteten Leistung - im zweiten Quartal um 1,7 Prozent, nachdem die deutsche Wirtschaft mit 4,3 Prozent in den ersten drei Monaten noch ihr höchstes Wachstum seit der Wiedervereinigung erzielt hatte.

Enttäuschend war die Entwicklung in Ostdeutschland.Während sich im Westen das BIP im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent erhöhte, gab es in den neuen Ländern und Ostberlin mit null Prozent Stillstand.Auch der Arbeitsmarkt Ost steckt tiefer in der Krise.Die Zahl der Erwerbstätigen zwischen Elbe und Oder lag zwischen April und Juni um 86 000 oder 1,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau; der Stellenverlust im Westen kam dagegen mit minus 0,1 Prozent oder 20 000 Arbeitsplätzen fast zum Stillstand.

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