Politik : Wirtschaftswunder, kein Wunder - als Deutschland Gastarbeiter holte

Deutschland war mit seiner hoch entwickelten Industrie und seiner Landwirtschaft schon immer ein Gastland für ausländische Arbeitnehmer. So wäre das Mitte der 50er Jahre eingeleitete "Wirtschaftswunder" ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland kaum im erlebten Umfang eingetreten. Vor dem Hintergrund fehlender Arbeitskräfte in der Bundesrepublik und wachsender Arbeitslosigkeit in vielen Mittelmeerländern wurde 1955 mit Italien die erste Anwerbevereinbarung getroffen. Weitere folgten. Während die Saisonarbeiter nur für eine Arbeitssaison ins Land geholt wurden, hatten die Dauerbeschäftigten als größte Gruppe eine zunächst für ein Jahr erteilte Arbeitserlaubnis, die verlängert werden konnte.

Nach der ersten Wirtschaftsrezession 1966/67 und der Ölkrise von 1973 beschloss die sozialliberale Regierung unter Schmidt einen Anwerbestopp. Die Zahl der ausländischen Arbeitnehmer hatte zu diesem Zeitpunkt mit 2,9 Millionen einen Höhepunkt erreicht. Der Anwerbestopp verfehlte jedoch sein Ziel: Viele Ausländer blieben und holten die Familie nach. Als Anfang der 80er Jahre die Arbeitslosenzahlen anstiegen, wurde mit dem Rückkehrförderungsgesetz von 1983 versucht, die Ausländer zur Rückkehr zu bewegen. Statt zur Rückkehr entschlossen sich viele zur Integration. Ende 1998 waren von 7,3 Millionen in Deutschland lebenden Ausländern knapp über zwei Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

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