Politik : "Wissen schafft Märkte": Schröder will mehr Wissenschaft für eine stärkere Wirtschaft

Bärbel Schubert

Die deutsche Wirtschaft soll künftig stärker von den Erfindungen der Forschungseinrichtungen profitieren. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat dazu am Donnerstag ein Aktionsprogramm "Wissen schafft Märkte" angekündigt, das schon in den nächsten Wochen anlaufen soll. Dies Programm hatte Schröder zuvor mit Vertretern von Wirtschaft und Wissenschaft erörtert, darunter der BASF-Vorstandsvorsitzende Jürgen Strube und der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl. Für die Bundesregierung nahmen außerdem Forschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) und Wirtschaftsminister Werner Müller (parteilos) teil.

"Gute Forschung bedeutet nicht automatisch ein Mehr an Innovation", erläuterte der Bundeskanzler die Initiative. Neue Erfindungen müssten schneller in Produkte umgesetzt und mehr Erfindungen für den Markt weiterentwickelt werden. Der Erfolg Deutschlands im internationalen Wettbewerb hänge mehr denn je davon ab, wie gut dieser Technologietransfer gelinge. Dies schaffe auch neue Arbeitsplätze. Schröder: "Die Gesprächspartner waren sich einig: Schlüsselfaktor für erfolgreiche Innovationen ist das effiziente Zusammenspiel der Partner in Wissenschaft und Wirtschaft."

Unternehmensgründungen fördern

Für das neue Programm stehen insgesamt 105 Millionen Mark in den Jahren 2001 bis 2003 zur Verfügung. Damit will die Bundesregierung besonders Unternehmensgründungen von jungen Wissenschaftlern aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen anstoßen. Dies gilt als effizientester Weg, aus neuen Ideen Produkte zu machen. Existenzgründer sollen dafür mit Beteiligungskapital unterstützt werden. Aber auch mittlere und kleine Unternehmen sollen Hilfe beim Zugang zu Forschungsergebnissen bekommen. Insgesamt soll die Bereitschaft öffentlicher Forschungseinrichtungen verbessert werden, ihre Ergebnisse zu vermarkten. Zugleich will Forschungsministerin Bulmahn Unternehmen mehr Einfluss auf die Forschungsziele einräumen. Dazu soll die Finanzierung der allein vom Bund unterhaltenen Großforschungseinrichtungen umgestellt werden. Deren Forschungsprogramme werden künftig gefördert.

Zugleich will das Forschungsministerium das Patentrecht für Professoren ändern. Danach sollen die Hochschulen künftig weitgehend über die wirtschaftliche Verwertung der "dienstlichen" Erfindungen ihrer Professoren entscheiden dürfen. Hier sieht Bulmahn erhebliches Potenzial. Die Hochschulen in den USA erzielen auf diesem Weg mit durchschnittlich 7460 Lizenzvereinbarungen ein Einkommen von rund 725 Millionen Dollar pro Jahr. Von deutschen Hochschulen ist darüber bisher nichts bekannt.

In Deutschland wird seit rund 20 Jahren beklagt, dass zu wenige Erfindungen über das Patentamt zur wirtschaftlichen Nutzung kommen. Das Problem beschäftigt angesichts wachsender internationaler Konkurrenz allerdings alle Industriestaaten. Für eine offensivere Verwertung spricht, dass die deutschen Forschungseinrichtungen einen guten Ruf haben, im internationalen Vergleich aber wenig Produkte hervorbringen.

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