Wissenschaft : Vorerst keine Änderungen bei Stammzellengesetz

Die Forschungsministerin Annette Schavan schloß eine Abschaffung des Stichtages für die Einfuhr embryonaler Stammzellen definitiv aus. Von der Stammzellenforschung wird sich eine wirksamere Behandlung bisher unheilbarer Krankheiten versprochen.

Schavan Foto: ddp
Stichtag bleibt. Bundesforschungsministerin Annette Schavan wird die Stichtagsregelung beim Stammzellengesetz nicht aufheben. -Foto: ddp

BerlinBundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) will an der Stichtagsregelung des Stammzellengesetzes festhalten. Die Substanz des 2002 in Kraft getretenen Gesetzes solle auch nach den in den kommenden Wochen beginnenden Parlamentsberatungen über eine Neuregelung erhalten bleiben, sagte die Ministerin in Berlin. "Es sieht nichts danach aus, dass es künftig ein Gesetz ohne Stichtag geben wird", fügte Schavan hinzu. Das Stammzellengesetz erlaubt Einfuhr und Verwendung menschlicher embryonaler Stammzellen für hochrangige Forschungsziele unter strengen Voraussetzungen. So dürfen derzeit nur Zellen eingeführt und verwendet werden, die vor dem 1. Januar 2002 gewonnen wurden.
  
Schavan äußerte sich nicht ausdrücklich dazu, wie sie bei einer Abstimmung im Parlament über eine mögliche Verschiebung des Stichtages entscheiden würde. "Ich habe eine Position, mit der ich das Parlament aber nicht vorherbestimmen will", sagte Schavan.
Diese Abstimmung sei eine Gewissensentscheidung. Der SPD-Forschungspolitiker Rene Röspel hatte zuletzt den 1. Mai 2007 als neuen Stichtag vorgeschlagen und eine Gesetzesinitiative dazu angekündigt.
  
Fünf Millionen Euro in den nächsten drei Jahren

Die Forschung zu alternativen Verfahren, um Stammzellen aus nicht-embryonalen Quellen soll in den kommenden drei Jahren mit insgesamt fünf Millionen Euro gefördert werden, wie Schavan weiter ankündigte. Nicht-embryonale Stammzellen können verschiedene Zelltypen ausbilden, sich aber nicht zu einem lebensfähigen Organismus entwickeln. Der neue Förderschwerpunkt sei "medizinisch von großer perspektivischer Bedeutung", sagte die Ministerin. Ziel sei es, Krankheitsursachen zu beseitigen, statt Symptome nur zu lindern. Für die Zukunft sei die Finanzierung weiterer Förderlinien geplant.
  
"Am Geld soll es nicht liegen", machte Schavan deutlich. Die Stammzellenforschung habe ein großes Potenzial für die Behandlung bisher unheilbarer Krankheiten. Deutschland nehme hier neben den USA und Großbritannien eine führende Rolle ein. Die Forschungsfreiheit sei aber immer durch den Schutz des Lebens begrenzt. "Es kann nur eine Ethik des Lebens geben", sagte Schavan. Der Lebenschutz sei die Leitlinie für alle künftigen Debatten. "Am Ende muss erreicht werden, nicht ständig Embryonen verbrauchen zu müssen, um Menschen heilen zu können". Ziel sei es, dass die embryonale Stammzellenforschung irgendwann überflüssig werde. (mit AFP)

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