Politik : Wissenschaftler drohen mit dem Internet

Die „Berliner Erklärung“: Aus Ärger über die Verlage wollen Forscher nicht länger für Fachzeitschriften schreiben

Paul Janositz

„Wir wollen keine Revolution“, sagte Peter Gruss, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Eine Umwälzung wäre es aber schon, würde die „Berliner Erklärung" Wirklichkeit, die am Mittwoch verabschiedet wurde. Es geht um „offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ im Internet. Elektronisch soll Publizieren schneller, besser und billiger gehen als auf konventionelle Art. Zudem soll das Recht von Autoren gestärkt und die Abhängigkeit von den Verlagen verringert werden. Die Deklaration wurde von insgesamt 19 nationalen und internationalen Wissenschaftsorganisationen unterzeichnet.

Derzeit sind Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften immer noch ein Muss für die Karriere – Internet-Publikationen indes kein anerkannter Ersatz. Das liegt auch an der schlechten Präsentation. „Qualität ist vor lauter Müll oft schwer zu finden", sagte Jürgen Renn vom Max- Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Qualitätskontrollen und der Einsatz von Experten, die die Artikel überprüfen, sollen dies ändern. Und: „Sämtliche Quellen und Daten, auf die sich die Publikation stützt, müssen im Netz zugänglich sein", betonte der Chemiker Robert Schlögl vom Berliner Fritz-Haber-Institut.

Das provoziert Streit mit den Verlagen, die sich jeden Zugriff auf wissenschaftliche Artikel bezahlen lassen. „Einmal herunterladen kostet 25 Dollar“, erklärte Schlögl. Um das zu ändern, braucht es ein neues Urheberrecht. Derzeit erhält der Verlag vom Autor das Recht zur unbegrenzten kommerziellen Nutzung. Dieses Recht solle künftig an eine Frist geknüpft werden, forderte Gruss. Autoren sollten allen Nutzern „ein freies, unwiderrufliches und weltweites Recht auf den Zugang zu den Daten“ einräumen, einschließlich des Rechts, zu kopieren und digital weiterzuverbreiten.

Kein Wunder, dass sich die Verlage sträuben. Viel Geld steht auf dem Spiel, und die Institutionen müssen sparen. Allein die Max-Planck-Gesellschaft gibt rund 15 Millionen Euro im Jahr für Fachzeitschriften aus. Da werden selbst gestandene Wissenschaftler zu Umstürzlern.

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