Politik : Wittenberg steht zu Pussy Riot Stadt bleibt bei Vorschlag für den Luther-Preis

Wittenberg/Moskau - Trotz Kritik vor allem aus den Reihen der Kirche bleibt die Stadt Wittenberg bei der Nominierung der kremlkritischen Punkband Pussy Riot für den renommierten Preis „Das unerschrockene Wort“. Der Stadtrat sprach sich am Mittwochabend mehrheitlich dafür aus. Allerdings wird sich am 8. November der Hauptausschuss in Wittenberg noch einmal mit dem Thema befassen – zwei Tage vor der entscheidenden Jurysitzung in Eisleben.

Zwei Bandmitglieder waren wegen eines Punkgebets in einer Moskauer Kirche gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin des Rowdytums aus religiösem Hass schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Straflager verurteilt worden. Eine dritte Angeklagte hatte eine Bewährungsstrafe erhalten. Das Urteil hatte international Empörung ausgelöst.

Der mit 10 000 Euro dotierte Zivilcourage-Preis „Das unerschrockene Wort“ wird alle zwei Jahre von 16 deutschen Lutherstädten vergeben. Neben der russischen Punkband liegen der Jury noch drei andere Vorschläge für den Preisträger 2013 vor. Halle schlug den früheren sächsischen Stasiunterlagen-Beauftragten Michael Beleites vor, Magdeburg die Ex-Superintendentin Waltraut Zachhuber und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern die Initiative „Keine Bedienung für Nazis“. Bis zur Juryentscheidung am 10. November können weitere Vorschläge eingereicht werden.

In Wittenberg hatte die Nominierung von Pussy Riot teils heftige Kritik aus den Reihen der evangelischen Kirche ausgelöst. Nach Einschätzung des Theologen und früheren DDR-Bürgerrechtlers Friedrich Schorlemmer wäre der Preis für die jungen Frauen ein verheerendes Zeichen, weil sie am falschen Ort provoziert hätten. Auch andere Kirchenvertreter warfen den drei Frauen vor, religiöse Gefühle verletzt zu haben. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) äußert sich während des laufenden Nominierungsverfahrens für den Preis nicht, wie ein Sprecher am Donnerstag sagte. Im August hatte der Auslandsbischof der EKD, Martin Schindehütte, die Strafe für Pussy Riot als völlig maßlos bezeichnet. Natürlich sei die Aktion in der Kathedrale nicht gutzuheißen. Aber die Strafe für Pussy Riot verkehre ins Gegenteil, wofür eine christliche Kirche stehe.

Die beiden zu Haftstrafen verurteilten Musikerinnen von Pussy Riot kamen unterdessen nach Angaben ihrer Anwälte in ihren jeweiligen Straflagern an. Nadeschda Tolokonnikowa sei in das Straflager 14 in der Region Mordowia und Maria Aljochina in das Lager 32 in Perm gebracht worden, sagte Wioletta Wolkowa am Mittwoch. Nach Angaben der Anwältin muss Nadeschda Tolokonnikowa im Straflager mit einer rechtsradikalen Mörderin zusammenarbeiten. dpa/AFP

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