Wladimir Putin besucht Athen : Griechenland setzt auf Zusammenarbeit mit Russland

Griechenland erhofft sich vom Besuch des russischen Präsidenten neue Impulse für die krisengeplagte Wirtschaft. Auch deshalb wird Wladimir Putin in Athen ungewohnt freundlich empfangen.

Markus Bernath
Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras (r.) empfängt Russlands Präsidenten Wladimir Putin in seinem Amtssitz, der Villa Maximos.
Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras (r.) empfängt Russlands Präsidenten Wladimir Putin in seinem Amtssitz, der Villa...Foto: Reuters

In die EU schafft es Wladimir Putin nun nicht mehr so oft. Seit der Annektierung der Krim und dem Beginn des Separatistenkriegs in der Ostukraine vor zwei Jahren will man den russischen Präsidenten nur ungern sehen. Aber ein paar Freunde hat er doch noch. Am Freitagnachmittag landete Putin in Athen mit neun Ministern und einer großen Gruppe von Geschäftsleuten im Gefolge. Ein griechischer Privatsender spielte tagsüber dröhnende Sowjetlieder, man macht sich lustig über den hohen Besuch aus dem Osten. Nicht so Alexis Tsipras.

Der linke griechische Ministerpräsident empfängt den russischen Präsidenten in seinem Amtssitz, der kleinen Villa Maximos. Er spricht von einer „Stärkung der Beziehungen zu Russland“ und einer „strategischen Wahl“ für das Land im Osten, geleitet von historisch engen Banden und den „Möglichkeiten, die vor uns liegen“. Nicht eben das, was Wladimir Putin sonst von den Staats- und Regierungschefs der EU zu hören bekommt.

Gleich zweimal war Alexis Tsipras im Finanzdrama-Jahr 2015 bei Putin in Russland. Die Minister seiner Marxisten- und Altkommunistenpartei Syriza flogen ein und aus in Moskau. Putin könnte vielleicht einen Milliardenkredit zusammenstellen, schneller und mit weniger weitreichenden Auflagen verbunden als die Europäer, so war damals die vage Hoffnung. Doch Moskau ließ sich nicht auf Rettungskredite ein, in Griechenland ebenso wenig wie bei der Finanzkrise auf Zypern 2013.

Erst in dieser Woche ist die Lage für Tsipras wieder stabiler geworden. Die Eurogruppe gab die nächsten Kreditraten frei, weitere Schuldenerleichterungen hat sie für später zugesichert. Doch zermürbt und frustriert vom Druck der europäischen „Partner“ blickt Tispras auf Putin, den ausgebufften Machtpolitiker. „Dieser Besuch ist äußerst wichtig“, sagt seine Sprecherin Olga Gerovasili. Es geht um Gas und griechische Pfirsiche, um Privatisierungen und 1000 Jahre gemeinsame Kirche.

Putin besucht am Samstag das „Rossikon“ auf dem Berg Athos, das Kloster des Heiligen Pantoleimon, das russische Mönche im 11. Jahrhundert gegründet hatten. Der griechische Regierungschef, ein erklärter Atheist, ist nicht dabei. Putins Begleitung für diesen Teil des Griechenlandbesuchs überlässt Tsipras dem konservativen Präsidenten Prokopis Pavlopoulos, den er ins Amt gehievt hatte. Religion war immer wichtig für die Beziehungen beider Länder, und sei es auch nur als Vehikel für russische Machtinteressen und griechische Wünsche, die nie erfüllt wurden: von der Waffenhilfe des Grafen Orlow gegen die Türken im 18. Jahrhundert bis zum Rettungskredit 2015.

Wladimir Putin will sich als Schutzpatron der orthodoxen Kirche zeigen

Der Abstecher nach Athos ist wichtig für Putins russische Wählerschaft zu Hause. Er soll den russischen Staatschef einmal mehr als Schutzpatron der orthodoxen Kirche zeigen. Beim politischen Teil in Athen am Freitag aber stellte der russische Präsident die Energiefrage in den Mittelpunkt. Er will einen neuen Korridor für Gaslieferungen nach Mittel- und Westeuropa finden. South Stream scheiterte am Widerstand der EU-Kommission, Turkish Stream bleibt wegen der Spannungen mit Ankara in der Schublade, aber den „Interkonnektor“ gibt es noch. Ein Teilstück zwischen Griechenland und der Türkei ist schon fertiggestellt. Eine Absichtserklärung über den Weiterbau der ITGI-Pipeline nach Italien haben Gazprom, die griechische Depa und die italienische Edison im vergangenen Februar in Rom unterzeichnet.

Dass Alexis Tsipras zuletzt beim Spatenstich für das EU-Gegenprojekt, die Transadriatische Pipeline, dabei war, stört nicht weiter. Athen fährt zweigleisig. Während die EU-Staaten wegen des Ukrainekonflikts Sanktionen gegen Russland aufrechterhalten, organisiert die Regierung das „Jahr Griechenlands in Russland“, ein vorwiegend kulturell ausgerichtetes Staatsprogramm, das das von der Krise gebeutelte Land in ein schöneres Licht rückt und nebenbei auch die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Russen ankurbeln soll.

Tsipras’ Russlandberater Dimitris Velanis betonte die Rolle, die Griechenland den Beziehungen zu Moskau zumisst. Die Regierung setze auf Russland, um das Land aus der Rezession zu ziehen, sagte Velanis der Syriza-Parteizeitung Avgi. Athen hofft, dass Putin eine Ausnahme für griechische Landwirte macht und das Embargo gegen Obst- und Gemüseexporte aus der EU zumindest teilweise aufhebt. Russland hat auch Interesse bei der Privatisierung der griechischen Staatsbahn, des Hafens von Thessaloniki und der Raffinerien von Hellenic Petrol angemeldet. „Dies sind schwierige Zeiten für jeden, in wirtschaftlicher Hinsicht und mit Blick auf die internationale Sicherheit“, sagte Putin in Athen. Für die Griechen, die von ihren Kreditgebern so gegängelt werden, klingt das ungemein versöhnlich.

20 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben