Wladimir Putin : Gestörte Rückkehr zum Weltruhm

Das hatte sich Wladimir Putin etwas anders vorgestellt. Der G-8-Gipfel in St. Petersburg sollte die Krönung seines politischen Werks werden, die Rückkehr seines Landes in den Kreis der mächtigsten Länder der Erde.

St. Petersburg - Symbolträchtig hatten die Russen das Reiterstandbild von Peter dem Großen aus der Zeit des russischen Weltruhms zum Emblem des Gipfels gewählt. Eine örtliche Zeitung schrieb sogar vom G8 als dem wichtigsten politischen Ereignis seit der Oktoberrevolution. Doch dann überschlugen sich die Negativnachrichten: Kein WTO-Abkommen mit den USA, ein kühles Treffen mit US-Präsident George W. Bush und schließlich die Eskalation der Gewalt in Nahost, die Putins sorgfältig geplantes Gipfelprogramm störte und stattdessen die Konfliktlinien zwischen den G-8-Partnern hervortreten ließ.

Dabei hatte der russische Präsident alles tadellos vorbereitet. Die schnurgeraden Straßen, über die die Delegationen vom Flughafen Pulkowo zum Tagungsgelände rauschten, waren von jedem Verkehr befreit und windschiefe Datschen sowie schäbige Industriebrachen links und rechts hinter grünen Bauzäunen versteckt worden. Im Konferenzzentrum stand dann sogar ein eigens kreierter Gipfelsaft "Sonderausgabe für den G8" bereit.

Doch schon der Auftakt am Samstagabend mutete wenig heimelig an: Zwar waren - eine freundliche Geste des Gastgebers - die Ehepartner der Gipfelteilnehmer zum festlichen Dinner eingeladen, doch mussten die Gäste einen auffallend langen und einsamen Fußweg von der Limousine bis zur Eingangstür des prachtvollen Peterhofs zurücklegen. Putin, der am Ende des rund 250 Meter langen blauen Teppichs zusammen mit seiner Frau Ludmilla wartete, ließ seine Besucher förmlich aufmarschieren.

Vernehmliche Dissonanzen

Die leisen, aber vernehmlichen Dissonanzen setzten sich fort. So gelang keine gemeinsame Haltung zum Thema Atomkraft - ausdrücklich musste in den Beschlüssen anerkannt werden, dass die Mitgliedstaaten "verschiedene Wege" bei der Energieversorgung verfolgen und nicht alle auf die Nuklearenergie setzen: Das ging auf die Kappe Deutschlands, das bei der ölpreisbedingten Renaissance der Atomkraft in den übrigen Staaten nicht mitmacht: Denn der Koalitionsvertrag bindet die durchaus nuklearfreundliche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an den Atomausstieg.

Darüber hinaus erklärte Russland sich erneut ausdrücklich nicht bereit dazu, die in der Energiecharta festgelegten Spielregeln für das internationalen Energiegeschäft einzuhalten. Zudem scheiterten ein WTO-Abkommen zwischen Moskau und Washington und eine Vereinbarung über Hilfen bei der Entwicklung von Impfstoffen. Und bereits seit dem Vortag musste Putin - mal humorvoll mal scharf - immer wieder Antworten finden auf die stets geäußerte Sorge um die demokratischen Zustände in Russland. Hervorhebenswert schien in deutschen Delegationskreisen daher schon, dass es "keine Anfeindungen" zwischen den G-8-Partnern gegeben habe.

Zum sperrigsten Gipfelthema aber geriet der Nahe Osten. Stundenlang verhakten sich die Verhandlungen, und daran war Gastgeber Russland teilweise nicht unschuldig. Es erwies sich als schwierig, eine gemeinsame Sprache mit dem relativen G-8-Neuling zu finden: Denn während allen voran die USA sich möglichst dicht hinter ihren israelischen Verbündeten stellen wollten, stellte Russland eher Israel an den Pranger. Mit einem unverbindlichen Stück Papier aber wollte sich keiner der G-8-Staaten zufrieden geben. Dass schließlich eine Einigung gelang, in der alle Beteiligten den Konflikts zum Gewaltverzicht aufgefordert werden, war dann doch noch ein Erfolg. "Wir haben gezeigt, wir lassen uns nicht auseinanderdividieren", sagte Merkel. (Von Ellen Hasenkamp, AFP)

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