Wladimir Putin kritisiert den Westen : "Sanktionen sind töricht"

Der russische Präsident Wladimir Putin kritisiert die Strafmaßnahmen der EU und gibt zu, dass sie der russischen Wirtschaft schaden.

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Der russische Präsident Wladimir Putin.
Der russische Präsident Wladimir Putin.Foto: REUTERS

Für die russische Botschaft in Berlin sind deutsche Medien in der Regel Gegenstand der Kritik. Doch am Montag warben die Diplomaten auf Twitter ausgiebig für einen Text in der „Bild“-Zeitung – ein großes Interview mit Wladimir Putin, in dem der russische Präsident seine Sicht auf die gegenwärtige Krise im Verhältnis zwischen seinem Land und dem Westen darlegt. Putin rügte erneut die Osterweiterung der Nato und die in der Ukraine-Krise von EU und den USA verhängten Strafmaßnahmen gegen Russland. „Die Sanktionen des Westens sollen nicht der Ukraine helfen, sondern Russland geopolitisch zurückdrängen. Sie sind töricht und richten auf beiden Seiten nur Schaden an.“
Der Präsident gab zu, dass die Sanktionen sich für Russland besonders auf den internationalen Finanzmärkten negativ auswirkten. „Größerer Schaden entsteht derzeit jedoch durch den Verfall der Energiepreise.“ Durch den niedrigen Öl- und Gaspreis verzeichne Russland „gefährliche Einnahmen-Einbußen“. Das Ganze habe aber auch ein Gutes: Mit den „Petro-Dollars“ habe Russland früher im Ausland eingekauft, dadurch würden Entwicklungen in Russland gebremst.

Putin verteidigt Annexion der Krim

Die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim verteidigte Putin erneut, sie sei im Einklang mit dem Völkerrecht gewesen. „Unsere Soldaten haben lediglich die ukrainischen Truppen auf der Krim daran gehindert, die freie Meinungsäußerung der Menschen dort zu behindern.“ Im Jahr 2014 waren an strategischen Punkten der Halbinsel bewaffnete Soldaten ohne Hoheitszeichen auf den Uniformen aufgetaucht. Erst nach dem Anschluss der Krim an Russland gab Putin zu, dass es sich um russische Truppen gehandelt hatte. Zum Vorwurf, dass Moskau willkürlich Grenzen in Europa neu gezogen habe, sagte Putin: „Für mich sind nicht Grenzen und Staatsterritorien wichtig, sondern das Schicksal der Menschen.“
Was hier nur anklingt, aber nicht direkt angesprochen wird, ist das von Putin vertretene Konzept der „russischen Welt“, die aus Sicht des Kremls geschützt werden muss. Gemeint sind russischsprachige Minderheiten, die außerhalb Russlands leben. Unter diesem Vorwand könnte nach Ansicht von Kritikern allerdings auch ein russisches Eingreifen in weiteren Staaten gerechtfertigt werden.
Zur Münchner Sicherheitskonferenz im Februar will der Präsident nicht kommen. Der Vorsitzende der Konferenz, Wolfgang Ischinger, hatte den russischen Staatschef eingeladen, um über die Sicherheitslage in Europa nach dem Ukraine-Krieg zu diskutieren. Doch Putin hat ja bereits im „Bild“-Interview die Gelegenheit genutzt, seinen Kurs vor einem deutschen Publikum zu rechtfertigen.

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