Politik : Wo Bush am Grill saß

Das vorpommersche Dorf Trinwillershagen ist seit dem Besuch des US-Präsidenten eine Touristenattraktion

Andreas Frost

Trinwillershagen - Klaus Dieter Tahn kann es immer noch nicht recht glauben. „Es klingt verrückt, aber die Leute kommen, um sich vor unserem Ortsschild fotografieren zu lassen“, berichtet der Bürgermeister von Trinwillershagen. Tahn hofft, die segensreichen Effekte eines außergewöhnlichen Grillfestes im Juli 2006 in die nächsten Jahre hinüberretten zu können. Zum Beispiel sollen Kreuzfahrtgäste aus den USA, wenn sie in Rostock-Warnemünde anlegen, statt per Bus nach Berlin zu hetzen, lieber in Trinwillershagen Wildschwein vom Grill essen – so wie ihr Präsident Georg W. Bush als Gast von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die ersten Prospekte sind in Arbeit.

Seit Juli hat Olaf Micheel zahlreichen Gästen gezeigt, wo sich auf seiner Terrasse an jenem lauen Sommerabend der US-Präsident bei alkoholfreiem Bier mit regionalen CDU-Größen über Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) und Freikörperkultur (FKK) in der DDR unterhielt. „Sie wollen genau wissen, wo der Präsident gesessen hat“, erzählt der gewitzte Wirt der Gastwirtschaft „Zu den Linden“, der nie an den Vorteilen des Bush-Besuchs in dem vorpommerschen Dorf gezweifelt hat. Die Gäste kommen allein oder in Gruppen per Bus – sogar aus Dänemark.

Stolz zeigt Micheel den Neugierigen seinen „Bush-Koffer“. Darin bewahrt er unter anderem die Dankesschreiben des Präsidenten, des US-Botschafters in Berlin und der Kanzlerin sowie einen Kugelschreiber aus dem Weißen Haus und Gedenkmünzen auf. Ab fünf Personen serviert Micheel „Wildschwein à la Bush“. Größere Gesellschaften bekommen genauso wie beim Bush-Grillfest auch Entenbrust und Kassler mit Sauerkraut dazu.

Anders als damals wird das Dorf aber nicht von Polizei, Bodyguards und Scharfschützen auf den Dächern bewacht. Deutlich mehr Umsatz als 2005 habe er gemacht, sagt Micheel. Beim NDR-Fernsehen durfte er im Nachmittagsprogramm kochen, und Stern-TV hat für eine Sendung im Frühjahr angefragt.

Trinwillershagens Gästen will Bürgermeister Tahn jedoch nicht nur Wildschwein vorsetzen lassen. Das Dorfmuseum, das immer noch Traditionskabinett heißt, soll erweitert werden, um die Bush-Erinnerungsstücke aufzunehmen. Lange vor Bush waren DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl, SED-Parteichef Walter Ulbricht und der letzte SED-Chef Egon Krenz in dem DDR-Vorzeigedorf zu Besuch. 1952 war in Trinwillershagen eine der ersten LPG in der DDR gegründet worden. Ihre Erfolge wurden vom Staat frühzeitig mit Maschinen und einem großen Haus der Kultur belohnt. Einen alten 8-Millimeter-Schmalfilm aus jener Zeit will Tahn auf CD-ROM brennen lassen. Auch an die Erweiterung der Wander- und Reitwege denkt er.

Die Debatte über die Kosten für den Bush-Besuch in Mecklenburg-Vorpommern – laut Linkspartei mit bis zu 14 Millionen Euro „die teuerste Grillparty der Welt für den CDU-Wahlkampf“ – und die Bedenken gegen den G-8-Gipfel im nahen Ostseebad Heiligendamm im kommenden Juni können Tahn und Micheel nicht nachvollziehen. Solch hervorragende Möglichkeit, „die Welt zu uns einladen zu können, bekommen wir nicht so schnell wieder“, sagt der Bürgermeister.

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