Politik : Wo die Kleinsten spielen

Das Statistische Bundesamt hat die Betreuung von Kindern unter sechs Jahren untersucht. Was sind die Ergebnisse, und was folgt daraus für die Familienpolitik?

Tobias Fleischmann,Jana Tschitschke

Ganztägige Kinderbetreuung ist in Deutschland gefragt wie noch nie: Nach einer Studie des Statistischen Bundesamtes haben vergangenes Jahr rund 16 Prozent aller Kinder unter sechs Jahren in einer Tageseinrichtung oder bei einer Tagesmutter verbracht – das sind etwa 681 000 Kinder. Zum Vergleich: 2006 waren es rund 49 000 Kinder weniger. Von Ganztagsbetreuung spricht man, wenn ein Kind mehr als sieben Stunden pro Tag in einer Einrichtung betreut wird. Besonders stieg die Nachfrage bei den Eltern der ganz Kleinen: Fast 152 000 Kinder unter drei Jahre krabbelten und spielten tagsüber nicht zu Hause – das sind rund elf Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind groß: Während in Ostdeutschland mehr als ein Viertel (26,8 Prozent) aller Kinder unter drei Jahren ganztags betreut wurde, waren es in dieser Altersgruppe in Westdeutschland lediglich 3,2 Prozent. „Das rührt daher, dass die Betreuungssituation in den neuen Bundesländern eine ganz andere ist“, erklärt Birgit Riedel, Referentin des Deutschen Jugendinstituts in München. „In der ehemaligen DDR waren die Betreuungsangebote für Kinder typischerweise ganztags organisiert.“ Die Kosten für die Betreuungsplätze seien im Osten zudem günstiger – sowohl für Eltern als auch Länder und Kommunen. Hinzu kommt, dass es beispielsweise in Sachsen-Anhalt einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab Geburt gibt – nicht wie bundesweit üblich ab drei Jahren. Thüringen hat den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz ab zwei Jahren festgelegt und erreichte unter allen Bundesländern mit 31 Prozent die höchste Quote der Ganztagsbetreuung für Kinder unter drei Jahren. Die niedrigste Quote bei Ganztagsbetreuung der unter Dreijährigen erlangte Niedersachsen mit 1,9 Prozent.

Bei der Altersgruppe der Kinder zwischen drei bis sechs Jahren belief sich die Betreuungsquote bundesweit auf 24,3 Prozent. Doch auch hier lag sie in den alten Bundesländern mit 17,3 Prozent deutlich unter der im Osten mit 60 Prozent.

Bund, Länder und Kommunen hatten sich im vergangenen September auf das ehrgeizige Ziel geeinigt, die Zahl der Betreuungsangebote für Kinder unter drei Jahren bis 2013 auf 750 000 Plätze auszubauen. Bisher kamen Länder und Kommunen alleine für Kinderbetreuungsplätze auf. Die Bundesregierung will den Ausbau nun mit insgesamt vier Milliarden Euro fördern: Von 2009 bis 2013 will der Bund den Kommunen mit 1,85 Milliarden Euro bei den Betriebskosten unter die Arme greifen. Die restlichen 2,15 Milliarden Euro stehen seit Anfang 2008 als Sondervermögen bereit.

Wie die Auszahlung des Sondervermögens erfolgen soll, ist inzwischen entschieden. Sie orientiert sie sich nach Angaben des Ministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an der Zahl der Kleinstkinder unter drei Jahren in den einzelnen Bundesländern. Damit aber wird sich an der bisherigen Ost- West-Schieflage bei der Betreuung durch die zusätzlichen Berliner Milliarden nichts Entscheidendes ändern.

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