Politik : Wo ist vorne bei Österreichs Rechten? Haiders Tod wirft politische Fragen auf

Markus Huber[Wien]

Es gab viele Fragen, auf die Jörg Haiders rechte Hand, Stefan Petzner, im Nebenberuf Haiders Pressesprecher, am Samstag geantwortet hat, Fragen, auf die er nicht antworten konnte, ohne in Weinkrämpfe auszubrechen. Stunde um Stunde tauchte Petzner im Fernsehen auf,gab Interviews den ganzen Tag über, immer wieder weinte er dabei. Doch als ihm ganz spät am Abend, im letzten Interview für diesen Tag im staatlichen Fernsehen ORF, zum ersten Mal eine politische Frage gestellt wurde, da sagte Petzner plötzlich nichts mehr. „Wie geht es weiter mit dem BZÖ?“ hatte der Moderator gefragt. Petzner stammelte nur: „Dazu kann ich nichts sagen.“

Für das Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), das Haider vor drei Jahren nach dem Bruch mit seiner eigentlichen politischen Heimat, den Freiheitlichen, gegründet hatte, gibt es eigentlich keine Zukunft. Das BZÖ war und ist eng mit Jörg Haider verknüpft, alle Mitarbeiter haben in irgendeiner Form eine persönliche Nähe zum großen Vorsitzenden. Auch bei den Wählern fungiert die Bewegung als Haider-Wahlverein: Als das BZÖ 2006 mit Haiders Vertrautem Peter Westenthaler an der Spitze zum ersten Mal bei nationalen Wahlen antrat, kam es nur ganz knapp ins Parlament. Nur zwei Jahre später trat Haider selbst an und verdreifachte den Stimmenanteil fast. Nach seinem Tod ist im personell eng besetzten BZÖ niemand, der in seine Fußstapfen treten kann. Weder Petzner noch Westenthaler haben das Format, das BZÖ ohne Haider zu führen. Auch wenn am Tag nach Haiders Ableben niemand offiziell davon spricht – es dürfte jetzt wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sich FPÖ und BZÖ wieder fusionieren.

Inhaltlich trennt die beiden Parteien am rechten Rand des Spektrums ohnehin wenig. Der Grund für die Spaltung war allein, dass Haider und sein Nachfolger an der FPÖ-Spitze, Heinz-Christian Strache, nicht miteinander konnten. Strache gab stets die junge Kopie seines großen Vorbilds Jörg, er trat sogar mit einem sehr bekannten Slogan an, den Haider in den Neunzigern verwendet hatte. Doch zu nahe wollte er Haider nicht kommen – auch, weil er wohl fürchtete, der könnte sofort wieder die Führung in einem vereinten rechten Lager an sich reißen.

Vollkommen offen ist, ob und wie sich der plötzliche Tod Haiders auf die österreichische Regierungsbildung auswirken wird. Auch hier galt, dass sich bisher vor allem die FPÖ gegen eine Dreierkoalition mit dem BZÖ und einer der beiden Großparteien gewehrt hatte – aus ähnlichem Grund wie in der Fusionsfrage. Ohne Haider sieht die Sache auch hier anders aus, da Strache keinen Gegenspieler im eigenen Lager hätte. Ob aber SPÖ oder ÖVP in diesen Wirtschaftskrisen-Tagen tatsächlich den Versuch mit einem instabilen Lager wagen wollen, weiß noch niemand. Auch nicht Stefan Petzner.

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