Politik : Wo Männer zu Hause bleiben: Die Erziehungszeit ist in Finnland flexibel - ein Modell

vs

Seit die Finninnen 1906 als erste Frauen Europas das Wahlrecht erhielten, gilt das Land in der Gleichstellung von Frauen als vorbildlich. Die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie ist dort heute schon deshalb ein wichtiges Thema, weil weit mehr Frauen berufstätig sind als in anderen europäischen Ländern. 1996 hat fast die Hälfte der Mütter mit Kindern unter drei Jahren gearbeitet, und die Mütter von Schulkindern waren sogar zu 91 Prozent berufstätig.

Vaterschaftsurlaub beziehungsweise "Elternschaftsurlaub" wurde in Finnland bereits in den siebziger Jahren durch den Gesetzgeber ermöglicht. Frauen haben Anspruch auf neun Monate Mutterschaftsurlaub, in denen ein Teil des Gehalts weitergezahlt wird. Die Väter können nach der Geburt des Kindes bis zu drei Wochen Vaterschaftsurlaub nehmen. Außerdem können sie einen Teil des Elternschaftsurlaubs nehmen, der auf den Mutterschaftsurlaub folgt.

Wer noch länger bei seinem Kind bleiben will, hat das Recht auf eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit. Bis zu drei Jahre können Mütter oder Väter zu Hause bleiben, ohne den Verlust des Arbeitsplatzes zu befürchten. In dieser Zeit erhält die Familie Erziehungsgeld. Auch im Vater-, Mutter- und Elternschaftsurlaub zahlt der Staat eine einkommensabhängige Unterstützung. Wenn sich die Eltern entscheiden, das Kind bis zum Schulalter von sieben Jahren zu Hause zu betreuen, können sie ebenfalls Unterstützung erhalten. Seit 1996 haben alle Kinder bis sieben Jahre Anspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte.

Die Zahl der Väter, die von den Möglichkeiten des Vaterschafts-, Elternschafts- oder Erziehungsurlaubs Gebrauch machen, steigt. Etwa 60 000 Kinder werden jedes Jahr in Finnland geboren. 1998 blieben immerhin 40 477 Väter zumindest für kurze Zeit zu Hause.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben