Wolfenbüttel : Im Atomendlager Asse lagern auch Gifte

Neue Hiobsbotschaft aus der Asse: Neben Atommüll wurden in dem ehemaligen Salzbergwerk bei Wolfenbüttel auch Arsen, Quecksilber und andere extrem giftige Metalle verbuddelt.

Reimar Paul

WolfenbüttelDas berichtet der „Stern“ in seiner neuesten Ausgabe. Der Betreiber der Asse, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), hat die Angaben des Magazins weitgehend bestätigt.

Demnach sind in der Asse insgesamt 497 Kilogramm Arsen entsorgt worden. Das Halbmetall, das unter anderem bei der Verarbeitung von Erzen freigesetzt und zur Produktion von Glas, Keramik und Mikrochips genutzt wird, gilt als stark toxisch. Bereits 0,1 Gramm können für einen Menschen tödlich sein, sagen Experten. Zudem seien in der Asse weitere hochgiftige Stoffe wie Quecksilber und tonnenweise Blei vergraben worden.

Dabei galt das frühere Salzbergwerk offiziell als Versuchsendlager für Atommüll. Dort sollte untersucht werden, wie sich strahlende Abfälle über längere Zeit in Salzgestein verhalten. In den vergangenen Monaten wurde jedoch bekannt, dass von ernsthaften wissenschaftlichen Versuchen keine Rede sein konnte. Die Asse diente bis 1978 als billige Deponie für einen großen Teil des bis dahin in der Bundesrepublik angefallenen Atommülls. Teilweise wurden die Fässer von Gabelstaplern in bereits übervolle Kammern gequetscht oder über Abhänge in tiefere Bereiche abgekippt. Radioaktive Abfälle beinhalteten grundsätzlich auch chemisch-toxisches Material, kommentierte gestern BfS-Sprecher Florian Emrich den Bericht. Dazu zählten auch solche Substanzen wie Arsen, Quecksilber und Blei. Bereits der frühere Asse-Betreiber, das Helmholtz-Zentrum München, habe entsprechende Schätzungen vorgenommen – sie entsprächen der vom „Stern“ genannten Gesamtmenge von 497 Kilogramm.

Das Helmholtz-Zentrum habe auch Hinweise auf eingelagerte arsenhaltige Pflanzenschutzmittel gegeben, sagte Emrich. Solche Gifte wurden offenbar nicht nur als Komponenten des Atommülls verklappt, sondern auch pur. Udo Dettmann, Sprecher des atomkritischen Asse-II-Koordinationskreises, zeigte sich schockiert über die Veröffentlichung. Die Forderung der Bürgerinitiativen nach einer lückenlosen Aufklärung über das Asse-Inventar müsse jetzt erweitert werden. 

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