• Wolfgang Berghofer: Der ehemalige SED-Oberbürgermeister spricht wieder - und schweigt doch

Politik : Wolfgang Berghofer: Der ehemalige SED-Oberbürgermeister spricht wieder - und schweigt doch

Ralf Hübner

Der ehemalige Dresdner SED-Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer zeigt sich wieder. Gegenwärtig schaut er milde lächelnd von 240 meterhohen Plakaten in schwarzweiß auf die Dresdner herab. "Dresden ist eine Weltanschauung", lautet die philosophische Botschaft des Ex-Oberbürgermeisters. Offiziell will Berghofer damit Werbung für sein Buch machen, "Meine Dresdner Jahre" betitelt, das Mitte Mai, gerade rechtzeitig vor den Oberbürgermeisterwahlen im Juni, erscheinen soll.

"Berghofer spricht wieder", heißt es in der Ankündigung. Doch gesagt hat Dresdens letzter SED-Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer bislang nichts. Jedenfalls nichts, was von Interesse wäre. Was bei Berghofer am meisten interessiert, ist, ob er als parteiloser Bewerber denn nun bei jenen Oberbürgermeisterwahlen in Dresden noch mal seinen Hut in den Ring werfen will. Dazu aber schweigt Berghofer beharrlich, sehr zur Enttäuschung von Freund und Feind. Aus geschäftlichen Gründen, wie es heißt.

Dabei wird in der Ankündigung von Berghofers Buch im Internet gleich mehrfach der Mut des einstigen SED-Oberbürgermeisters der Elbestadt hervorgehoben. Mutig sei sein Dialog mit den Demonstranten gewesen, als er 1989 "entscheidend half", Gewalt abzuwenden, von "seinem Mut" ist die Rede, weil er als einer der ganz wenigen seine Mitschuld an den Wahlfälschungen in der DDR bekannt hat. Nun lege Berghofer "sich selbst, den Dresdnern und der deutschen Öffentlichkeit Rechenschaft ab" über seinen Lebenswandel.

Dabei soll die Betonung auf "Wandel" liegen, den Wandel des Rockfestivals organisierenden FDJ-Funktionärs und späteren Dresdner Oberbürgermeisters zum erfolgreichen Unternehmensberater, wie es unbescheiden heißt, der "glänzende Aufnahme in den höchsten Kreisen von Politik und Wirtschaft im vereinigten Deutschland" gefunden habe. Auch über seine persönlichen Beziehungen zu Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) will sich Berghofer äußern - und, nicht zuletzt, "ein Bild von der möglichen Zukunft Dresdens" entwerfen.

Noch wird in Dresden darüber gerätselt, ob die Buchankündigung Berghofers als raffinierter Auftakt für seinen Wahlkampf oder das Raten um seine Kandidatur nur als Werbegag für sein Buch zu werten ist. Wenn es Mitte oder Ende Mai die offizielle Buchvorstellung geben wird, dürfte diese Frage geklärt sein, denn bis zum 14. Mai hat Berghofer Zeit, seine Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt zu erklären.

Umfragen zufolge gehen rund drei Viertel der Dresdner davon aus, dass Berghofer antreten wird. Allerdings gibt es neben Oberbürgermeister Herbert Wagner (CDU) bereits einen zweiten nicht ganz aussichtslosen Anwärter auf das höchste Stadtamt. Eine Bürgerinitiative hat sich auf Ingolf Roßberg (FDP), den ehemaligen Stadtplanungsdezernenten, festgelegt. Die Kandidatur des 39-jährigen FDP-Politikers wird von der SPD und den Bündnisgrünen unterstützt, doch ausgerechnet nicht von der Dresdner FDP-Spitze. Die Dresdner FDP ist im Stadtrat mit der CDU eine Koalition eingegangen und macht sich Hoffnung auf einen Dezernentenposten.

Die PDS hat über ihren Kandidaten noch nicht entschieden und wartet - offenbar auf Berghofer, der im Januar 1990 spektakulär aus der SED/PDS ausgetreten war. Als Kandidat der PDS will Berghofer nicht erscheinen. Schließlich sei er zu der Erkenntnis gelangt, dass es "keine wirkliche Entwicklung ohne soziale Marktwirtschaft geben kann".

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