Politik : Wolfgang Clement: Vom Leben lernen

Jürgen Zurheide

Wolfgang Clement lächelte geduldig mal in diese und dann in jene Kamera. Obwohl die Fotografen die Pose längst aus allen möglichen Winkeln eingefangen hatten und die beiden jungen Damen neben ihm immer gequälter blickten, ließ sich Clement keinen Hauch von Nervosität anmerken. "Ich freue mich über diese beiden zusätzlichen Lehrstellen", sagte er und schaute zufrieden auf die beiden Abiturientinnen an seiner Seite, denen die Düsseldorfer Oper die Möglichkeit bietet, eine Ausbildung als "Fachkraft für Veranstaltungstechnik" zu absolvieren.

Die Verantwortlichen der Oper haben Clement die beiden Lehrstellen anlässlich seiner zehnten Ausbildungstour durch das Land gewidmet. Auch sie freuten sich mächtig über den Besuch des Regierungschefs und vergaßen nicht anzumerken, dass die Kulturförderung noch steigerungsfähig sei. Vorerst wird Clement diesen Ruf nicht erhören, aber nach 2002 soll der Kulturetat aufgestockt werden. Unwillig reagierte Clement erst, als ihm die Fotografen einen Cäsarenhelm aus der Requisite reichten und "Imperator Wolfgang" riefen. "Nein, das hättet ihr wohl gerne, aber der steht mir nicht", beschied er die Fotoanfrage.

Eine Stunde später stand Clement in Oberhausen, dieses Mal flankiert von zwei männlichen Auszubildenden. Sie schraubten Schaltschränke zusammen, die in aller Welt dafür sorgen, dass die Mobilfunkstationen mit dem richtigen Gleichstrom betrieben werden. Von Unternehmenschef Heinrich Walterfang hatte er gehört, wie man vom Hinterhofbetrieb auf inzwischen 130 Millionen Jahresumsatz gewachsen ist, von den beiden Auszubildenden wollte Clement nun wissen, wie es in der Berufsschule zugeht. "Ja, da fällt viel Unterricht aus", lautete die Antwort und sofort verfinsterte sich seine Miene. "Wie heißt die Schule", zischte er, seine Mitarbeiter zückten umgehend den Stift. "Das wird korrigiert", fügte Clement noch an, aber das hatte ohnehin jeder verstanden, der die Szene beobachtet hatte.

Für den Düsseldorfer Regierungschef sind solche Ausflüge in die Betriebswelt mehr als nur das Werben um zusätzliche Lehrstellen. "Ich lerne viel", gibt er wenig später im Bus preis, der ihn und einen kleinen Stab von Mitarbeitern jeweils für ganze Wochen durch das Land fährt. In solchen Tagen weicht die Anspannung aus seinem Gesicht, die er im Düsseldorfer Politikbetrieb nur selten verbirgt: "Ich brauche diesen unmittelbaren Kontakt mit der Realität". Ganz nebenbei ist Clement ausreichend politischer Profi, um zu wissen, dass er sich mit seinen Touren inzwischen im Bewußtsein der Menschen zwischen Rhein und Weser eingebrannt hat. "Wir haben einiges erreicht", freut er sich, "die Zahl der Lehrstellen rein rechnerisch ausgeglichen".

Da einer wie er stets neuen Antrieb braucht, sucht er sich bereits neue Ziele. "Wir wollen jetzt höchste Qualitätsmaßstäbe", gibt er als Parole aus, und in diesem Zusammenhang tauchen sogleich die Bayern auf, denen der Ruf vorauseilt, im Bildungssystem anderen überlegen zu sein. "Wenn das so ist", heißt das bei Clement, "müssen wir noch mehr tun". Dann gibt er bekannt, dass er demnächst auf Schultour geht. Mit seiner für Bildung zuständigen Kollegin Gabriele Behler, die sich schon erkundigen dürfte, ob sich Clement dafür den Helm des Imperators ausleihen wird.

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