Wolfgang Schäuble beim IWF : "Ein Freund und Fels"

Ein politisches Urgestein auf Abschiedstour: Auch beim IWF-Treffen in Washington wird auf den scheidenden deutschen Finanzminister ein Loblied gesungen.

Christine Lagarde und Wolfgang Schäuble bei einer Veranstaltung in Hamburg.
Christine Lagarde und Wolfgang Schäuble bei einer Veranstaltung in Hamburg.Foto: dpa/Christina Sabrowsky

Dass die Europäer neuerdings wieder intensiver über einen eigenen Währungsfonds nachdenken, um sich vom Internationalen Währungsfonds IWF nicht auf Dauer abhängig zu machen, wird Wolfgang Schäuble freuen. Schon in der Phase, als der Euro und vor allem Griechenland gerettet werden mussten, hatte der deutsche Finanzminister die Einrichtung eines solchen Kontroll- aber auch Unterstützungsmechanismus vorgeschlagen. Gegen Angela Merkel, die Kanzlerin, konnte er sich seinerzeit zwar nicht durchsetzen; sie wollte zumindest bei der Rettung Athens den IWF ins Boot holen. Aber recht behalten hat er wohl am Ende doch: Die Europäer werden ohne einen eigenen Fonds nicht ewig auskommen.

Es sind diese und andere Begebenheiten, die Schäuble in dieser Woche mehrfach zu hören bekommt. In Brüssel, wo er zunächst die Finanzminister der europäischen Nachbarländer traf und jetzt in Washington, zum turnusmäßigen Treffen von IWF, Weltbank und den G20-Finanzministern. Denn überall wird dem deutschen Kassenwart ein ehrwürdiger Abschied bereitet. Einen „Giganten“ hat ihn IWF-Chefin Christine Lagarde genannt, einen „Freund und Fels“, dessen Rat und Nähe sie vermissen werde. Und so ging es die ganze Woche hindurch: Lobpreisungen für den Mann, der seit acht Jahren Finanzminister ist und nun abtritt. Am 24. Oktober will sich Schäuble zum Präsidenten des Bundestages wählen lassen.

Lange Erfahrung, beste Kontakte, Vertrauen der Kanzlerin

Die Ehrfurcht, die diesem Finanzminister dieser Tage entgegenschlägt, hat womöglich nicht ausschließlich mit seinen Erfolgen als Hüter des Staatsschatzes und seiner Rolle als internationalem Finanzpolitiker zu tun. Wolfgang Schäuble, 75Jahre alt und so lange deutscher Parlamentarier wie kein anderer, überzeugte vielmehr durch seine Erfahrung im politischen Geschäft, beste Kontakte in alle Welt und nicht zuletzt den Ruf, uneingeschränktes Vertrauen der Regierungschefin Merkel zu besitzen. Mehr bräuchte so ein Finanzminister gar nicht zu wissen, hatte Schäuble mal Kindern auf die Frage nach Vorkenntnissen für ein solches Amt geantwortet. Und dann auch noch: Die vier Grundrechenarten zu beherrschen, könne nicht von Schaden sein.

Als Schäuble den Job Ende 2009 antrat, stand er unmittelbar im Fokus der Öffentlichkeit. International, weil Stabilitätsmechanismen aufzubauen waren, die den Euro als Währung unterstützen. Aber zunächst einmal national, denn Schäuble hatte es sich zur eigenen Aufgabe gemacht, das Schuldenmachen des Bundes ein für allemal zu beenden. Sein Ziel: die schwarze Null. Und dafür musste er jegliches Begehren des damaligen Koalitionspartners, der FDP, nach Steuersenkungen im Keim ersticken. Die Liberalen werden später von bittersten Erfahrungen mit dem Mann an der Spitze des Finanzressorts berichten und nicht wenige schieben ihm eine gehörige Portion Mitschuld daran zu, dass die Wähler vier Jahre nach der Bildung der schwarz-gelben Koalition so enttäuscht von der FDP waren, dass sie sie kurzerhand aus dem Bundestag wählten.

Schwarze Null als Sinnbild für Seriosität

Die schwarze Null ist seither zum Markenzeichen von Schäuble und damit zu einer Art Institution in der deutschen Politik, einem Sinnbild für Seriosität geworden. Und jeder, der die schwarze Null wieder abschaffen, also neue Schulden zur Finanzierung eines Haushaltes machen will, müsste das gut begründen. Auch wenn Schäubles Kritiker gern darauf hinweisen, dass Mister schwarze Null gar nicht wirklich gespart habe, dass einzig das billige Geld seine Zinslast gesenkt und ihm so neue Schulden erspart hätte.

Würde man heute eine Umfrage in den europäischen Hauptstädten über Wolfgang Schäuble starten, bekäme man womöglich ein kritischeres Bild, als es IWF-Chefin Lagarde zeichnet. Denn in Athen oder Madrid und auch in Paris und Rom gilt Schäuble als derjenige, der Europa seine rigiden Vorstellungen vom Sparen aufzwang, als es den Ländern besonders schlecht ging und sie quasi erpressbar waren: Für frisches Geld forderte Schäuble ihnen Etatkürzungen und härteste Reformen ab.

Warner vor gemeinsamem Haushalt der Euro-Länder

Und auch jetzt, am Ende seiner Amtszeit als Europas einflussreichster Finanzminister, hebt er, wenn auch nur versteckt in einem „non-paper“, den Zeigefinger zur Warnung vor einem gemeinsamen Haushalt der Euro-Länder, der aus seiner Sicht zur Vergemeinschaftung von Schulden führen würde.

Wenn an diesem Wochenende die Einflussreichen der Welt-Finanzpolitik auf acht Jahre Schäuble zurückblicken, dann fällt ihnen natürlich auch dessen Engagement für die Kontrolle der internationalen Finanzgeschäfte ein. Sein Pochen auf Regeln gegen die Vermeidung von Steuerzahlungen und nicht zuletzt Schäubles Standhaftigkeit angesichts der immerwährenden Kritik an den deutschen Handelsbilanzüberschüssen. Der Gefeierte selbst wehrte jede Form von Rührseligkeit ab, verwies trocken darauf, dass es gelungen sei, „den Euro gegen manche Zweifel stabil zu halten“ und stellte letztlich fest: „Acht Jahre ist genug.“

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